Runter von der Unternehmensspitze, rauf auf die Bestsellerlisten

Carly Fiorina war ganz oben. Fusionierte Hewlett Packard mit Compaq. Drehte einen ingenieursgetriebenen in einen kundengetriebenen Konzern. Und wurde hochkant rausgeschmissen. Angebote, das abrupte Ende als „in gemeinschaftlichem Einvernehmen“ zu verkleistern, lehnte sie ab. Rausschmiss ist Rausschmiss. Absolute Klarheit und Entschiedenheit waren die Eigenschaften, mit denen sie es an die Spitze eines der größten Unternehmen der Welt schaffte. Sie zeigte den anderen „wer die Eier in der Hose hat“ (sic!) und stopfte zu diesem Zweck Socken Ihres Mannes in die Hose. Sie selbst zeigt sich am meisten überrascht von den Widerständen, denen sie sich mit zunehmender Stärke gegenüber sah. Die berühmte Glasdecke gäbe es für Frauen nicht, sagte sie zum Einstand bei HP und sollte nur wenige Jahre später brutal dagegen knallen.

Unbestreitbar ist der Aktienkurs nach ihrem Rauswurf in die Höhe geschnellt. Heute hechelt Dell mit hängender Zunge wieder dem Primus hinterher. Fiorinas Strategie war nachhaltig, ihre Nachfolger schneiden jetzt das Korn, das sie gesät hat, sagen die einen. Gerade noch rechtzeitig wurde sie in die Wüste geschickt, um den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen, sagen die anderen. Und Bill and Dave haben dem Ganzen entspannt von oben zugeschaut.

Wer immer recht hat. Die Biografie gibt einen genauso subjektiven wie eindrucksvollen Einblick in die Schaltzentrale eines Multis. Und in die Strategien der Strippenzieher, die keiner kennt, die aber dennoch die Fäden in der Hand halten. Ganz nebenbei hat Carly Fiorina ein formidables Managementlehrbuch geschrieben, das so manchen Change-Managementschmöker alt aussehen läßt. Strong buy.

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Carly Fiorina, Mit harten Bandagen, Campus Verlag, 440 Seiten, gebunden

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