„Entweder Sie studieren sofort Ökonomie oder Sie haben ein Loch zwischen den Augen.“

„Macht euch keine Sorgen. Ganz egal, was kommt, es geht sowieso schlecht aus.“ Mit dieser Lobrede auf den sizilianischen Fatalismus wird Martin Scorsese in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. Februar zitiert.

Einen Tag vorher habe ich „Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft“ von Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer gelesen. Und au weia! Martin Scorseses Zitat könnte auch als Motto über den letzten 50 Jahren deutscher Wirtschaftspolitik stehen. Viel weniger als von gut gemeinten Programmen werden wir nämlich vom „Gesetz der unbeabsichtigten Folgen“ regiert. Zum Beispiel die Ursünde der jungen Bundesrepublik, der „Generationenvertrag“. Hört sich gut an, verspricht allen Wählern einen schönen Lebensabend und funktioniert ansonsten nach dem Motto: „nach mir die Sintflut“. Nicht einmal drei Generationen später steht der große Vertrag vor dem aus.

Oder Hartz IV: Das Gezeter und Geschrei in den Medien war groß. „Abbau des Sozialstaats“, „Soziale Kälte“, „brutaler Turbokapitalismus“ hießen die Kampfparolen. Kurze Zeit später war klar: Hartz IV wurde zum größten Sozialprogramm aller Zeiten. Jugendliche finanzierten sich mit Hartz IV die erste Wohnung, ließen sich komplett staatlich alimentieren, Paare mutierten förderungspraktisch zu Wohngemeinschaften, und unterm Strich waren plötzlich ein paar Milliarden weg. Niemand hatte geahnt, dass nach dem neuen Gesetz plötzlich so viel mehr Menschen als vorher Anspruch auf staatliche Leistungen haben würden (obwohl im Vorfeld natürlich waaahnsinnig viel gerechnet worden war).

Guter Wille reicht eben nicht, um Politik zu machen. Deshalb fordert Bernd Ziesemer, nachdem er flott durch 50 Jahre deutscher Wirtschaftspolitik geschritten ist, mehr ökonomischen Sachverstand in Berlin. Fleht die Politiker schon fast an, die Märkte wenigstens zu verstehen, bevor man sie verteufelt. Oder wenigstens mal ein Managementbuch zu lesen. Man wünscht ihm geradezu ein bisschen Personal von Martin Scorsese an die Seite. Ungefähr so: ein Herr in dunklem Anzug besucht einen Abgeordneten und fordert ihn höflich auf, Ökonomie zu studieren. Natürlich würde der Herr im dunklen Anzug seine Magnum nicht verheimlichen, aber er würde sie auch nicht einsetzen. Niemals. Ausgenommen natürlich, es gäbe keinen anderen Weg. Da wir aber weder in Palermo noch in Hollywood sind heißt es: lesen, bitte.

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Das neue Buch des Management-Visionärs C.K. Prahalad

Bernd Ziesemer, Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft. Die deutsche Wirtschaftspolitik und das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen, Campus Verlag 2007, 210 Seiten 

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