Wie das bayerische Bierzelt Politiker in die Komplexitätsfalle lockt.

Auf der Autobahn. Vor mir ein Transporter, der Autos aus Wolfsburg, die nach Griechenland transportiert wurden, wieder zurück nach Deutschland bringt. Ist billiger so, und die schönen Autos kriegen was von der Landschaft mit. Nebenbei schnappe ich im Radio auf, der bayerische Gesundheitsminister kämpfe dafür, bestimmte Bierzelte von der Nichtraucherverordnung auszunehmen. Und das, obwohl ich gerade Dieter Brandes‘ Managementbuch für Politiker „Die Aldi-Diät für Deutschland. Rezepte für eine einfache Politik“ gelesen habe! Na gut, kann der Minister ja nicht wissen.

Ohne viel Phantasie können wir uns ausmalen, wohin das führt. Der niedersächsische Minister fordert eine Ausnahme für Schützenfeste, der unterfränkische Landrat eine für Weinfeste, ein hessischer Hinterbänkler streitet für die Festlegung einer Mehrzweckzelthöchstgröße (auf Druck der Apfelweinindustrie), die Bierzeltverleiher für eine flexible Handhabung der Bierzeltbemessungsgrundlage (zählt der Schankraum mit oder nicht?) wofür eine Expertengruppe zur Erstellung einer Bierzeltbemessungsgrundlagenverordnung gegründet wird, was wiederum das Finanzministerium animiert, die Rauchergroßbierzeltsonderabgabe ins Spiel zu bringen, noch bevor sich ein andalusischer EU-Kommissar für einen Lastenausgleich stark macht (aufgrund der Annahme, der gemeine Spanier trage künftig sein Erspartes für den Raucherurlaub nach Deutschland). Und um der Gefahr zu begegnen, dass überall in Deutschland dauerhaft riesige Raucherbierzelte in die Gegend geknallt werden, muss der Herr Minister natürlich noch eine Bierzeltaufstelldauerbegrenzungsanordnung erlassen (mindestens 7 Tage, maximal 15, auf Antrag mit entsprechender Begründung und Gutachten, Verlängerung um einen Werktag möglich, Sonntage sind auf maximal 3 pro Kalenderjahr begrenzt, Feiertage nur, sofern es sich um bundeseinheitliche Feiertage handelt).

Liebe Leut! Entweder Rauchverbot in öffentlichen Räumen oder kein Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Punkt. Warum das so ist, steht bei Dieter Brandes. Lohnenswert zu lesen für alle, die sich nicht mit „geht nicht“ abfinden wollen. Mit aufreizend einfachen Vorschlägen, der Komplexitätsfalle zu entgehen. Mit einem Appell an die Politik, Prozesse  professionell zu managen. Und der Aufforderung an uns Wähler, Umsetzungsprofis in die Politik zu wählen. Es kann so einfach sein.     
 
Dieter Brandes, Die Aldi-Diät für Deutschland. Rezepte für eine einfache Politik, 224 Seiten, € 16,95 [D]

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