Lob des Bücherlesens

Eigentlich wollte ich hier „The long Tail“ des Wired-Chefs Chris Anderson loben. Beziehungsweise die deutsche Übersetzung „Der lange Schwanz“, auf deren Suche so mancher Googler absichtlich oder nicht in den sexuellen Sumpfgebieten des Internet landen wird.

Aber beim Vorwort bin ich hängen geblieben. Überschwänglich wie nur jemand sein kann, der eine riesengroße Aufgabe bewältigt hat, dankt Anderson seiner Frau, die ihm fürs Schreiben ein Jahr lang nicht nur den Rücken frei gehalten hat, sondern zugleich eine wichtige Diskussionspartnerin war. Es folgen Verwandte, Bekannte, neu gewonnene Freunde, Wissenschaflter und Studenten. Insgesamt seien mehrere tausend Menschen, vom Lektor bis zum Blog-Gesprächspartner für das Entstehen des Buches wichtig gewesen.

Zu Erinnerung: es handelt sich beim Autor um den Chefredakteur eines der Frontblätter der neuen Medien. Um ein Buch, das die internetinduzierte Revolution des Handels konstatiert. Um ein Thema, das zuerst in Blogs und auf Websites diskutiert wurde. Und wo ist es gelandet, um erst von da aus seine volle Wirkung zu entfalten? Zwischen zwei Buchdeckeln.

Erst seit die Thesen in Buchform auf dem Markt sind, ist ihr Urheber geadelt. Ist nicht länger irgendein Redakteur, der irgendeine These vertritt, sondern Autor. Eine Autoriät. Das hat mit kulturellen Zuschreibungen und kulturellem Erbe zu tun. Vor allem aber mit Qualität.

Für Leser ist es, und das ging mir beim Überfliegen des Vorworts durch den Kopf, das Paradies. Verglichen mit all dem Schnellgeschriebenen in Zeitschriften, Zeitungen, im Radio, TV, ja auch in diesem Blog und vielen Millionen anderen Seiten im WWW, stellt das Buch einen Luxus sondergleichen dar. Ein Jahr Arbeit. Gespräche und Anregungen von vielen Menschen. Kritisches Querlesen von Fachleuten. Qualitatives Prüfen durch Lektoren, mehrmaliges Korrekturlesen. Und immer wieder Überarbeitungen. Damit sinkt die Anfälligkeit gegenüber kurzfristigen Denkmoden und launigen Modethemen erheblich.

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Das ist es, was das Bücherlesen so ergiebg macht. Die Möglichkeit, innerhalb von zwei bis drei Tagen die oft jahrelange Denkarbeit von Menschen kennen zu lernen, die keine Anstrengungen gescheut haben, sich ein Thema zu erarbeiten. Und „Der lange Schwanz“ ist dafür ein hervorragendes Beispiel, das hier bald ausführlich besprochen werden soll.

Für heute soll genügen, dass es von Google-CEO Eric Schmid ebenso empfohlen wird wie von der Wirtschaftswoche. Dass es längst auf den US-amerikanischen Bestsellerlisten gelandet ist (und da auch in Deutschland bald zu finden sein wird). Hier der Link zu den bibliografischen Angaben und zum Shop:

Chris Anderson, The Long Tail – Der Lange Schwanz. Hanser 2007

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