Jetzt setzt sich der Kunde die Krone selbst auf

Lang genug lag es allein in der Hand der Industrie und des Handels, Kunden als Könige oder eben als Bettler zu behandeln. Damit ist jetzt Schluß. Denn die Kunden nutzen die neuen Technologien, um sich einzumischen und die Produktwelt selbst mit zu gestalten.

Das ist jedenfalls Resultat einer aufwändigen Studie, die von den Strategieberatern Don Tapscott und Anthony D. Williams durchgeführt wurde und jetzt in Buchform die Diskussion um das Web 2.0 anfeuert. „Wikinomics, Die Revolution im Netz“, so der Titel, ist ohne Frage nach Long Tail von Chris Anderson die zweite wegweisende Auseinandersetzung mit den revolutionären Veränderungen im Wirtschaftsleben, die durch das Internet hervorgerufen werden. Was allenthalben als Web 2.0 kursiert, ist für die Autoren deutliches Zeichen für die radikale Veränderung von ökonomischen Prozessen. Angefangen bei der Produktion bis hin zur Distribution verschiebt sich die Funktion des Kunden vom Konsumenten zum Produzenten, vom Zuschauer zum Akteur.

Augenfälligste Beispiele sind das Online-Lexikon Wikipedia, das Tausende von „Leser-Nutzer-Entwicklern“ zur Mega-Enzyklopädie des 21. Jahrhunderts ausbauen und ausgebaut haben. Oder das Online Warenhaus Amazon, das statt auf Fachverkäufer auf die Tipps und Bewertungen anderer Kunden setzt – zumindest solange die sich ohne Murren und ohne Bezahlung in die Wertschöpfungskette einspannen lassen.

Schon jetzt hat sich die Welt bis hinein in die Kommunikations- und Lebensgewohnheiten in vielen Bereichen radikal verändert und das wird so weitergehen. Den beiden Autoren gebührt das Verdienst, die vielen Umbrüche erfasst zu haben und daraus die Richtung abzuleiten, in die der Zug fahren wird. Ob er dann tatsächlich auch dorthin fährt, wird sich zeigen. Auffällig ist jedenfalls, dass die Autoren ausgerechnet der altmodischen Buchform bedürfen, Ihre Thesen unters Volk zu bringen. Und ob das Buch zum Bestseller wird, bestimmen weniger ein paar Millionen Internetnutzer als vielmehr die Einkäufer der paar übrig gebliebenen Großbuchhändler. Das ändert nichts an der Brisanz ihrer Thesen, die selbst der Walmart-Führungsriege schlaflose Nächte bereiten dürften.

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