Lob des Bücherlesens II

Im leider vergriffenen Buch „Homo rationalis“ des Nobelpreisträgers Herbert A. Simon, in dem er die Fiktion des subjektiven Nutzen maximierenden Menschen elegant widerlegt und auf die Bedeutung der Intuition und der Werte zur Begrenzung rationaler Entscheidungsmöglichkeiten hinweist, schreibt er auch über die Bedeutung des Buches in einer Welt, die von schnellen Medien beherrscht wird:

… „Wenn man zum Beispiel einen auf Tatsachen beruhenden Überblick über die amerikanische China-Politik haben möchte, sollte man anstatt aller im nächsten Jahr in der New York Times über China erscheinenden Artikel lieber ein oder zwei gute Bücher lesen. Die Zeitung bietet eine bunte Mischung kurzlebiger Informationen, die Bücher dagegen einen soliden und sich nur langsam ändernden Rahmen, der die laufenden Ereignisse in ihren Zusammnhang stellt und sie verständlich macht.

Was man wirklich für einen informierten Überblick über ein solches Thema braucht, sind Kenntnisse der chinesischen Institutionen und der chinesischen Geschichte – genau die Art Information, die man in periodisch erscheinenden Medien nicht bekommt. Die Medien beeilen sich, uns zu zeigen, was heute und in dieser Woche passiert. Aber die heutigen Geschehnisse in China sind nur das Ergebnis grundlegender Eigenschaften und Entwicklungen der chinesischen Gesellschaft und können von Leuten, die nicht die richtigen Bücher gelesen haben, nicht richtig interpretiert werden. „

Herbert A. Simon, „Homo rationalis“, Frankfurt 1993

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