Der Pulverrauch verzieht sich, der Blick wird frei auf die Jahrhundertkrise

Milliardenvermögen wurden vernichtet, die Welt blickte in den Abgrund, und nur durch eigentlich absurde Beteuerungen konnten Sparer davon abgehalten werden, massenhaft ihre Konten zu plündern. Was war und ist da eigentlich los? Der ausgezeichnete Journalist Olaf Storbeck wirft in „Die Jahrhundertkrise“ einen analytischen und differenzierten Blick auf das ökonomische und politische Desaster. Ein Buch, das der Krise wenigstens ein Gutes abgewinnt: Wir können daraus lernen.

Die korrekte Übersetzung von Collaterated Debt Obligations (CDOs) heißt Schrott

Ein Gutteil der Krise ist auf die Kreativität der Banker zurückzuführen. Die haben dermaßen komplexe „Finanzprodukte“ entwickelt, dass selbst Experten den Durchblick verloren hatten. Warum gerade diese Papiere auf so fruchtbaren Boden fielen, dass am Ende beinahe das Weltfinanzsystem kollabiert wäre, beschreibt der Handelsblatt-Journalist Olaf Storbeck vorbildlich. Und er zeigt, wie einfach man CDOs und CDSs als das hätte erkennen können, was sie sind: hochriskante Schrottpapiere.

Das System in Frage stellen, ohne die Systemfrage zu stellen

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Nie wurde Brecht genüsslicher zitiert als heute. Gut, dass Olaf Storbeck dagegen hält und sagt, „warum wir unsere Banken lieben müssen“. Denn wer sonst sollte das Angebot und die Nachfrage nach Kapital zusammenbringen? Ein Politbüro etwa? Statt der Systemfrage gilt es jetzt, so Storbeck, das Bankenaufsichtssystem zu renovieren. Weniger als um die Regulierung einzelner Banken (Banken gehören zu den am meisten regulierten Unternehmen) geht es dabei um die Regulierung des internationalen Finanzsystems. Denn die Krise resultierte nicht aus dem Fehlverhalten einzelner, sondern aus der Fehleinschätzung politischer Instrumente und ökonomischer Produkte.

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Und wieder wird der alte Menschheitstraum nicht wahr

Seit es Gold gibt, gibt es Alchimisten. Seit es Geld gibt, gibt es Lotto. Schon immer träumten die Menschen den Traum vom Land, in dem Milch und Honig fließen. Die billigen Kredite in den USA selbst für Ninjas (No Income, no Job, no Assets – kein Einkommen, kein Job, keine Vermögenswerte) schienen den Traum wahr werden zu lassen. Genauso, wie sensationelle Renditen für unaussprechliche Papiere deutschen Landesbankfürsten Tränen in die Augen trieben. Vielleicht war es dieser Traum, der Schuld war an der Misere. Olaf Storbeck plädiert deshalb für einen aktiven Staat. Einen Staat, der den Markt vor seinen irrationalen Akteuren schützt. Für diese hochrentierliche Lektüre gibt es eine klare Leseempfehlung von Managementbuch.de.

Wolfgang Hanfstein, www.Managementbuch.de

>> Olaf Storbeck; Die Jahrhundertkrise. Schäffer Poeschel Verlag. 2009

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