Die erstaunliche Karriere des Karl-Theodor zu Guttenberg

Auch als Ex-Minister sorgt zu Guttenberg für Furore. Die von den beiden FAZ-Journalisten Lohse und Wehner geschriebene Biografie war sofort ausverkauft – auch wenn die entscheidende Story vom Plagiat und dem Rücktritt fehlte. In der jetzt schnell gedruckten zweiten Auflage werden ein paar Seiten dazu angehängt. Der Biografie tut es allerdings gut, dass das (vorläufige) Ende des Politstars noch nicht abzusehen war. Schnell hätte sonst der Generalverdacht „alles Blendwerk“ die differenziertere Betrachtung der Lebensstationen verhindert.

Tausend Jahre Guttenberg

Die Biografie besticht vor allem in den ersten beiden von fünf Teilen. Sehr detailliert fächern die Journalisten den biografischen Hintergrund des Freiherrn auf. Und das ist bei einer Familie, deren Stammbaum bis zum Beginn des vorigen Jahrtausends zurückreicht, eine große Aufgabe. Kenntnisreich entfalten sie vor uns ein familienbiografisches Panorama, das zumindest nahe legt, dass zu Guttenberg einen anderen Zugang zur Welt hat, als die meisten von uns. Neben vielen mehr oder minder prominenten Namen der deutschen Geschichte erfahren wir vom Schicksal von zu Guttenbergs Urgroßonkel, der als Beteiligter am Widerstand gegen Hitler in den letzten Kriegstagen ermordet wird. Von den Verbindungen zur Familie von Stauffenberg. Von seinem Großvater, der Mitbegründer des Malteser Hilfsdienstes und Mitglied des kroatischen Parlaments war. Und von seinem anderen Großvater, der in der Bonner Republik eine wichtige Rolle spielte (und eine tiefe Freundschaft zu Herbert Wehner pflegte).

Bildung gehört nicht zu den Tugenden des Adels

Dass zu Guttenberg ausgerechnet über seine Dissertation stolperte, bekommt eine andere Bedeutung, wenn die Autoren schreiben: „Für den Adel hat Bildung, also die Aneignung von Wissen, anders als für das Bürgertum, nie die überragende Rolle gespielt. Wichtiger waren ihm Charakter, Auftreten, Moral und Opferbereitschaft.“ Vielleicht fehlte es zu Guttenberg auch deshalb am entsprechenden ernsthaften Umgang mit dieser „Fußnote“ in seiner Laufbahn.

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Eine lesenswerte Biografie

Leider halten Guttenbergs Biografen ihr Niveau nicht ganz durch. Je näher sie „KT“ und seiner Frau kommen, desto stärker ihre Ressentiments. Gute Garderobe, gute Figur, gute Haltung und eine attraktive Frau reichen scheinbar, um mit dem Finger am Abzug zu schreiben. Dass Karl Theodor zu Guttenberg wenige Tage nach Veröffentlichung der Biografie selbst abdrücken würde, damit hätten wohl auch die beiden FAZ-Journalisten nicht im Traum gerechnet. Nach der Lektüre stellen sich Fragen. Hatten wir es mit einem Hochstapler zu tun? Mit einem Hasardeur? Es ist damit zu rechnen, dass jetzt, nach dem zwangsläufigen Rücktritt, sich auch der Pulverdampf verziehen wird. Es werden Fakten ans Licht kommen, die eine neue Bewertung der Leistungen und der Verfehlungen zu Guttenbergs möglich machen. Einstweilen bietet die Biografie „Guttenberg“ viel interessantes Material zur Flugbahn des fränkischen Ikarus.

Wolfgang Hanfstein, www.Managementbuch.de

Zum Buch:
>> Eckart Lohse, Markus Wehner: Guttenberg. Biographie. 35 schwarz-weiße und 16 farbige Fotos. Droemer Knaur

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