Wer nach oben will, muss sich durchsetzen können


Wie kann man hemmungslos aggressiven Jugendlichen aus den übelsten Gangs einigermaßen normales Sozialverhalten beibringen? Mit dieser Forschungsfrage reiste der junge Wissenschaftler Jens Weidner in US-amerikanische Gefängnisse. Er lernte dort die Methode des „heißen Stuhls“ kennen und führte sie auch erfolgreich in Deutschland ein. Viele Jahre später drehte er den Spieß um. Fragte sich, wie Menschen in Unternehmen ihre Aggressionen produktiv nutzen können, statt sie in sich hineinzufressen mit dem Ergebnis, von den anderen untergebuttert zu werden. Daraus entwickelte er die „Peperoni-Strategie“. Das gleichnamige Buch avancierte bei seinem ersten Erscheinen 2005 schnell zum Bestseller. Jetzt ist die erste aktualisierte Neuauflage da.

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt

Über Aggression spricht man nicht. Und zu aggressivem Verhalten anzuleiten schickt sich schon erst recht nicht. Gegen diese Vorbehalte der politischen Korrektheit setzt der Professor für Erziehungswissenschaften seine Erfahrungen aus vielen Management-Seminaren. Sein lakonisches Fazit: Wer keine großen Ansprüche hat, kann auf den Einsatz von Aggression gerne verzichten. Wer aber nach oben kommen will, wer nicht ständig die Arbeit anderer erledigen will, wer nicht fraglos alles akzeptiert, was man ihm aufbürdet, bleibt ohne positive Aggression in den Startlöchern stecken (oder in ungeliebten Jobs).

Zu den Soft-Skills gehört es auch, die Strategien der anderen zu durchschauen

Das Buch ist locker geschrieben, keine Wissenschaft, sondern Erfahrung. Das ist gut, denn Jens Weidner ist ein mitreißender Erzähler. Er setzt Pointen, spitzt Sachverhalte zu und scheut sich nicht vor unbequemen Wahrheiten. Allerdings hätte eine Portion mehr Wissenschaftlichkeit dem Buch gut getan. So, wenn der Professor die Funktion und Bedeutung der Aggression im Set der menschlichen Verhaltensweisen erklärt. Dennoch erhellend für alle, die bei „Soft-Skills“ eher an „Teamfähigkeit“ denken oder an „soziale Kompetenz“, statt an die genau so elementare Durchsetzungsfähigkeit. Denn dass in Unternehmen oft mit harten Bandagen gekämpft wird, weiß jeder nach dem ersten Arbeitstag.

Aggressionen lesen lernen

Die „Peperoni-Strategie“ zeigt, was Aggressionen sind, wie man aggressives Verhalten dosiert einsetzt und vor allem auch, wie man aggressiven Kollegen und Chefs gegenübertreten kann. Voraussetzung ist immer, die Aggression anderer auch „lesen“ zu können. Dazu liefert Weidner praktische Analyse-Hilfen wie die Diamantanalyse: Er hilft, das eigene „bissige Potenzial“ zu erkennen und falsche Beißhemmungen abzulegen. Und da sich der Umgang mit Aggressionen bei Männern und Frauen stark unterscheidet, gibt Jens Weidner Frauen praktische Ratschläge für das Überleben in der Männerwelt. Managementbuch.de – Fazit: Die Wirklichkeit ist manchmal rauer, als wir sie gerne hätten. Die Peperoni-Strategie gibt uns Tipps an die Hand, um nicht gleich beim ersten Sturm zu kentern. Das ist kein Freibrief, die Sau rauszulassen. Aber der Versuch, zumindest Waffengleichheit herzustellen.

Wolfgang Hanfstein, www.Managementbuch.de

Zum Buch:

>> Jens Weidner: Die Peperoni-Strategie. So nutzen Sie Ihr Aggressionspotenzial konstruktiv. 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Campus Verlag. März 2011

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