Durch die Schule des Mitgefühls zu einer besseren Welt

Das Programm der renommierten Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong ist ehrgeizig. Sie will zu einer religionsübergreifenden Ausbildung des Mitgefühls anstiften. Denn in der Fähigkeit, mit anderen zu fühlen, liege nicht nur der Kern aller großer Religionen, sondern auch die große Aufgabe, vor der wir heute stehen. Fast ist es, als verkünde sie in „Die Botschaft“ eine Religion ohne Gott. Aber Karen Armstrong bleibt Wissenschaftlerin, bleibt undogmatisch. Ihre Methode ist es, die „anderen“ verstehen zu lernen. Um darüber, sich selbst zu verstehen.

Karen Armstrong hatte einen Wunsch frei

Ausgangspunkt für das Buch war die mit 100.000 Dollar dotierte Auszeichnung der Non-Profit-Organisation TED, die Karen Armstrong 2007 erhalten hatte. Damit verbunden war die Aufforderung, einen Wunsch zu äußern, dessen Erfüllung die Welt verbessern würde. Die Religionswissenschaftlerin zögerte nicht lange und bat TED, sie bei dem Vorhaben zu unterstützen, eine „Charta der Anteilnahme“ (www.CharterforCompassion.org) zu entwerfen. Die Charta wurde Wirklichkeit und am 12. November 2009 an sechzig Orten auf der ganzen Welt, unterstützt von den sechs großen religiösen Gemeinschaften, in Umlauf gebracht.

Wir sind nicht Gefangene unsere Emotionen

Ziel der Charta ist es, die Idee des „Mitgefühls“ in „praxisnahes Handeln umzusetzen“. Und dazu dient auch „Die Botschaft“. Hier wirft Karen Armstrong einen spannenden Blick auf die Welt der Religionen und auf die Entstehung des spirituellen Denkens. Kurz zusammengefasst betrachtet sie Religion als den Versuch des Menschen, sich über seine vier im „Reptilienhirn“ angelegten Grundtriebe (Fressen, Kämpfen, Fliehen, Fortpflanzen) zu erheben. Wenn wir uns heute dennoch in einer Welt voller kriegerischer Auseinandersetzungen im Großen und mehr oder minder hasserfüllten Streitereien im Kleinen wiederfinden, so liege das daran, dass die vier Grundemotionen wider besseres Wissen immer wieder die Herrschaft übernehmen. Und wider besseres Wissen bedeutet, wider unserer im Neokortex entwickelten Fähigkeiten zur Abstraktion, zum Denken und zum Begreifen.

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Wer, wenn nicht wir selbst, soll Verantwortung für unser Handeln übernehmen

Religion zeigt sich in diesem Licht als Überwindung des Animalischen, als Übung dazu, das Mitgefühl zu erlernen und auszubilden. Das macht Armstrong am Beispiel des klassischen Yogas deutlich. Sie bezeichnet die ursprüngliche Ansicht des Yogas als einen „systematischen Angriff auf das Ich“. Es ging um die Eroberung des Inneren und darum, „die unbewussten Triebe zu besiegen, die das menschliche Wesen zum Gefangenen jener Instinkte machten, die der Selbsterhaltung dienten.“ Während in den Neurowissenschaften darüber debattiert wird, ob der Mensch überhaupt einen freien Willen habe oder nur ausführendes Organ unbewusster neuronaler Prozesses sei, fordert Armstrong, „Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen“.

Wie der Imperativ des Mitgefühls in unser Leben zu integrieren ist

„Die Botschaft“ ist kein Ratgeber. Und doch hat das Buch den Anspruch, praktisch zu werden. Deshalb hat Karen Armstrong das Buch in zwölf Kapitel unterteilt, die Schritt für Schritt das Verständnis der Welt, für sich selbst und für die anderen vergrößern sollen. Sie klopft dazu die großen traditionellen Mythen darauf ab, „was sie uns über den Imperativ des Mitgefühls lehren – und was wir tun müssen, um sie in unser eigenes Leben zu integrieren.“ Managementbuch.de – Fazit: „Die Botschaft“ ist der Türöffner zu einem neuen Verständnis der Religionen. Und die Anleitung, einen Verhaltenskodex zu entwickeln und zu leben, der einer globalen Gesellschaft würdig ist.

 

Wolfgang Hanfstein, www. Managementbuch.de

Karen Armstrong. Die Botschaft. Der Weg zu Frieden, Gerechtigkeit und Mitgefühl. Pattloch Verlag GmbH + Co

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