Für Chefs am Anschlag

Die durchschnittlichen Chefreaktionen auf wie auch immer geartetes Unvermögen von Mitarbeitern sind, trotz aller Führungsseminare und -ratgeber in der Regel: „Mit Verlaub, Sie sind ein Vollpfosten“. Gefolgt von der Wahnvorstellung, mit diesem Mitarbeiter das „personifizierte Böse“ vor sich zu haben. Viele Chefs züchten sich auch durch die Variante „den Gärprozess einleiten“ durch „Runterschlucken“ zuverlässig ein Magengeschwür oder andere Kalamitäten heran. Und eine vierte Gruppe winkt mit „Der will doch nur spielen“ ab und sorgt so dafür, dass das Unternehmen früher oder später im Chaos versinken wird. Klare „No-Gos“, mit denen Timo Hinrichsen und Boris Pullach in ihrem Buch „Als unser Kunde tot umfiel“ Chefs und Führungskräften die Augen öffnen.

Auf Augenhöhe mit dem Berufsalltag

Es gibt wenig Führungsliteratur, die so gnadenlos den Finger in die Wunde legt. Aber das machen die beiden Autoren nicht hämisch, sondern therapeutisch höchst wertvoll. Der Kniff des Buches liegt darin, Führungswissen nicht von der Theorie auf den Alltag herunterzubrechen. Hinrichsen und Pullach nehmen sich stattdessen Situationen zur Brust, die früher oder später jedem Chef unter den Nägeln brennen. Und liefern dann gute, theoretisch fundierte Ratschläge. Bottom-up statt Top-down.

Kuschelkurs oder Kasernenhofton

Es geht um den richtigen Weg zwischen Kuschelkurs und Kasernenhofton. Um die Möglichkeiten, Fehlverhalten so anzusprechen, dass Veränderung wahrscheinlich ist. Über die Gefahr, alles selbst zu machen. Und die Autoren zeigen, wie man sich sogar auf Situationen vorbereiten kann, in denen man auf dem falschen Fuß erwischt wird.

25 der wichtigsten und häufigsten Führungsprobleme auf den Punkt gebracht (und gelöst)

Das Buch ist toll aufgebaut, Chefs (vom Abteilungsleiter bis zum Unternehmer) werden es verschlingen. Denn eingeleitet werden alle 25 kniffligen Führungsprobleme mit treffenden Szenen aus dem Büro- und Chefalltag. In einem kurzen Dialog werden die verschiedenen Aspekte des Problems besprochen – und zwar nicht akademisch, sondern so, wie man in der Kantine mit einem guten und fähigen Kollegen das Problem besprechen würde. Es folgt jeweils die oben schon zitierte No-Go-Liste (immer zum Totlachen – bis man merkt, dass es genau diese Verhaltensweisen sind, die man am häufigsten antrifft). Und natürlich gibt es zum Schluss jeweils das Kapitel „Lösungsfinder-Methode“, in der die beiden Autoren kurz und knackig vernünftige und durchführbare Lösungen bieten.

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Der Sparringspartner in Buchform

Ein Buch aus einem Guss. Gut und schnell zu lesen mit sehr hohem Nutzwert. Wo werden sonst Themen angesprochen wie „In ihrem Team gibt es jemanden, den sie einfach nicht leiden können“? Roter-Reiter.de – Fazit: Führungskräfte haben oft niemanden, mit dem sie sich austauschen können. „Als unser Kunde tot umfiel“ ist eine Art Sparringspartner in Buchform. Ein produktives Gespräch über die Dinge, die einem sonst schwer im Magen liegen. Wer also an seinen Mitarbeitern verzweifelt (oder an seinen eigenen Führungsfähigkeiten), wer immer denkt, dass alles doch ganz anders laufen müsste, den bringen die beiden Autoren auf gute, neue Gedanken.

Wolfgang Hanfstein, www.Roter-Reiter.de

Zum Buch:

>> Timo Hinrichsen, Boris Palluch Als unser Kunde tot umfiel … 25 knifflige Führungsprobleme und ihre nachhaltigen Lösungen. Linde Verlag. Februar 2012

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