Markt oder Staat? Eine amerikanische Antwort

Hat uns Bill Clinton noch etwas zu sagen? Und wenn ja, was? Er musste sich einfach wieder einmischen, schreibt Clinton gleich zu Beginn. Weil wichtige Zusammenhänge und ökonomische Fakten hinter parteipolitischem Gezänk verschwinden. Und so versucht er, aus überparteilicher Perspektive Wege in die Zukunft aufzuzeigen. Sein Blick ist auf die USA konzentriert. Clinton zeigt, wie es zur derzeitigen Situation kam, und greift intelligent in die Debatte ein, die nicht nur in den USA alles andere beherrscht: Wie viel Staat beziehungsweise Politik brauchen wir und wie viel Markt? Wer verstehen will, was die immer noch weltweit führende Nation umtreibt, erhält in „Es gibt viel zu tun“ tief gehende Einblicke.


Gegen den Missbrauch des amerikanischen Gründungsmythos

Ganz so überparteilich, wie Clinton es ankündigt, bleibt er (natürlich) nicht. Seine Argumentation richtet sich zumeist an die Adresse der „Teaparty“-Aktivisten, die den Staat und die Politik am liebsten zum alten Eisen schmissen. Sie finden damit außerordentlich Anklang, weil sie direkt an den US-amerikanischen Gründungsmythos anknüpfen – endlich weg vom britischen Empire, endlich die Schranken und Vorschriften einreißen, die ihnen eine ferne Regierungsgewalt ständig aufbrummt. Der Kampf gegen einen Staat, der seine Macht missbrauchte, war aber nur eine Facette der Geschichte. Eine andere, so betont Clinton, war der Wunsch nach einer Regierung, „die in ihrer Macht begrenzt ist, aber die Macht besitzt, unsere Freiheiten zu bewahren, und stark und flexibel genug ist, sich den Herausforderungen der neuen Zeiten anzupassen.“


Ohne staatliche Einmischung geht es nicht

Genau diese Debatten sind es auch, die den politischen Diskurs in vielen europäischen Ländern bestimmen. Wobei nie vergessen werden darf, dass das Programm der US-amerikanischen Demokraten nicht weit von dem weg ist, was hierzulande als „neoliberal“ gebrandmarkt wird. Auf drei Punkte konzentriert Bill Clinton sein Augenmerk:

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1. Auf die zunehmende Ungleichheit bezüglich Einkommen und Zugang zu Arbeitsplätzen, Gesundheit und Bildung
2. Auf die Gefahr durch Instabilität durch die unkontrollierten Finanzmärkte, durch weltweiten Terrorismus und politische Aufstände
3. Auf ungebremstes Wachstum, infolge dessen die natürlichen Ressourcen geplündert werden und ungeahnte Umweltprobleme auf uns zukommen.

Um diese Probleme zu lösen, das ist Clintons Fazit, brauchen wir „effektive staatliche Einwirkung“.


Auf geht’s, Dächer streichen

Clinton liest den USA die Leviten. Zeigt schonungslos, wo sie längst hinter ihre Konkurrenten auf dem Weltmarkt zurückgefallen sind und wie sie Gefahr laufen, ihre führende Rolle zu verspielen. Aber Bill Clinton wäre kein Amerikaner, würde er nicht auch das Positive und die Chancen sehen. Und so wundert es auch nicht, dass der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Kapitel „Was wir tun können“ unter Punkt 12 schreibt: „Wenigstens die Dächer weiß anstreichen“. Denn, so Clinton, „die schwarzen Teerdächer, die Hunderttausende amerikanische Gebäude bedecken, absorbieren eine gewaltige Menge Energie … Wenn man bloß das Dach weiß streicht, kann man den Energieverbrauch eines Hauses an einem heißen Tag um bis zu 30% senken.“ Das ist Pragmatismus made in USA. Eine Einstellung, mit der nicht nur die USA wieder auf die Beine kommen können.


Es lebe der amerikanische Traum

Mit „Es gibt viel zu tun“ will Bill Clinton den Staub wegpusten, der sich auf die amerikanische Idee gelegt hat. Er will die USA wieder zu dem machen, was das Land groß gemacht hat, indem es die Chance bietet „Ihren eigenen Träumen nachzugehen und Ihren Kindern ein Land zu hinterlassen, in dem sie dies ebenfalls tun können.“ Und damit liefert er eine Blaupause für das, was auch in Europa ansteht. Die Verständigung über einen gemeinsamen Weg in die Zukunft. Ein Buch das zeigt, was Politik leisten könnte. Und wie wichtig es ist, dass jeder seinen Beitrag leistet.

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Wolfgang Hanfstein, www.Managementbuch.de

Zum Buch:

>> Bill Clinton Es gibt viel zu tun. Warum wir kluge Politik für eine starke Wirtschaft brauchen. Börsenmedien AG. April 2012

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