Abkassieren und draufzahlen – das Leben der Stars

Glaubt man den Titelseiten der Yellow Press, stehen Hollywood-Größen, Pop-Stars und Profisportler auf der Sonnenseite des Lebens. Jo Piazza kennt auch die schwarzen Flecken in den Biographien von Angelina Jolie, Ashton Kutcher und Lindsay Lohan. In ihrem Buch „Beruf: Promi“ zeichnet die ehemalige amerikanische Klatschkolumnistin Piazza aber nicht einfach das Auf und Ab ausgewählter Stars nach. Sie analysiert messerscharf („Marketingmodelle werden mikroskopisch betrachtet“), mit welchen Methoden manch einer am Tag mehr verdient als ein leitender Angestellter im ganzen Jahr. Emma Watson beispielsweise, die süße „Hermine Granger“ aus der Harry Potter-Reihe, ließ sich für die letzten beiden Produktionen mit je 15 Millionen US-Dollar entlohnen. Magisch.

10.000 Dollar pro Tweet

Piazza erzählt ohne Zynismus und Sozialneid. Sie rechnet nicht mit Brad Pitt und Charlie Sheen ab (was andere längst getan haben), sondern rechnet vielmehr zusammen, was diese mit Kalkül und Finesse Jahr um Jahr einkassieren: Nicht nur über Film-Gagen, sondern auch über vermeintliche Paparazzi-Fotos oder belanglose Kurznachrichten im Web („10.000 Dollar pro Tweet“).

Die Autorin spricht auch über die Kehrseiten. Über Promis, die scheinbar das große Rad drehen und in der Marketingmaschinerie der Hollywood-Studios, Agenten, TV-Sender und Printredaktionen letztlich auch nur nützliche Rädchen sind. Bis zum Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums. „Monate später war ich in New York auf Britneys Geburtstagsfeier im Nachtclub Tenjune. Die Frau hätte nicht elender aussehen können, wie sie da in einer Ecke hockte, harmlos und etwas Nichtalkoholisches schlürfend.“

Hoch hinaus, tief fallen

Denn nach oben kommen viele. Dort bleiben aber nur wenige. Aber die Stolperfallen heißen nicht Kokain (Charlie Sheen), nicht Sexsucht (Tiger Woods) und auch nicht offen zur Schau gestellter Antisemitismus (Mel Gibson). Denn das Publikum verzeiht vieles. Was das Publikum aber niemals verzeiht, ist Inkonsistenz in der Markenbildung! Am Beispiel Lindsay Lohan schildert Piazza, wie der einstige Kinderstar seinen Namen konsequent verspielt hat. Lohan schliddert noch immer zwischen den Leitbildern „liebes Mädchen“ und „Bitch“, unfähig ein greifbares Image zu erzeugen. Das K.-O.-Kriterium für Fans und Produzenten. „Lohan war nicht deshalb kreditunwürdig, weil ihre Versicherungsprämien zu hoch waren oder weil sie ein Risiko für die Produktionsplanung darstellte. Lohan war kreditunwürdig, weil sie unsympathisch und in ihrem Verhalten inkonsequent war.“

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Roter-Reiter – Empfehlung: Ein Buch so aufregend wie ein Thriller mit Angelina Jolie in der Hauptrolle, aber mit mehr Tiefgang. Ein spannender Blick hinter die Kulissen des Hollywood-Glanzes, der nicht nur Cineasten zu empfehlen ist.

Oliver Ibelshäuser,  www.Roter-Reiter.de

 

 

Zum Buch:

Jo Piazza; Beruf Promi. Wie Brangelina, Ashton Kutcher & Co. aus ihren Namen Gold machen. Börsenmedien AG 2012

mehr Infos zum Buch: „Beruf: Promi“ auf Managementbuch.de

 

 

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