Zwischenzeugnis für Europas wichtigsten Banker

Seit rund einem halben Jahr lenkt Anshu Jain die Geschicke der Deutschen Bank. Und seine Ziele sind ehrgeizig. Der geradlinige Investmentbanker mit indischen Wurzeln will das renommierteste und umstrittenste deutsche Geldinstitut in die TOP-5 der internationalen Banken führen. Wirtschaftsredakteur Georg Merck hat den Aufstieg des Ackermann-Nachfolgers chronologisch nachgezeichnet und stellt mit seinem Buch „The Deutsche“ ein Zwischenzeugnis der ersten 100 Tage aus.

Rucksack statt Aktentasche

Gute Noten, so Meck, verdient sich Jain vor allem für seine Außendarstellung. Statt der arroganten Auftritte seines Vorgängers setzt Rucksackträger Jain auf Freundlichkeit und mit seinem charmanten Lächeln („Uij, ist der süß“) möchte er auch seinem Unternehmen ein sympathischeres Gesicht geben. Zuvor jedoch muss Jain erst in der Frankfurter Zentrale richtig ankommen. Jahrelang war er für die Deutsche Bank in London tätig, dort als erstklassiger Investment-Stratege angesehen. Im Zuge der Finanzkrise 2008 musste aber auch er sich Fehlentscheidungen vorhalten lassen, die zu einem fetten Loch in der Kasse von rund 1,6 Milliarden Euro geführt hatten.

Intimfeind Ackermann

Gestützt wurde er damals ausgerechnet von Josef Ackermann. Mittlerweile der Intimfeind von Jain. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Konzepte des alten Schweizers und des jungen Inders (Jahrgang 63) stehen im Mittelpunkt von Mecks Buch. Ackermann hat Jain lange gewähren lassen, sich aber bei der Frage seiner Nachfolge klar gegen den Fachmann aus den Bereichen Rohstoff- und Derivatehandel ausgesprochen. Da allerdings war die (internationale) Gefolgschaft von Jain bereits zu groß. Und mit Fitschen steht immerhin ein Traditionalist an seiner Seite, der Kontinuität versinnbildlichen soll.

Eine „1“ in Strategie, eine „4-“ in Deutsch

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Meck stellt auch den Privatmann Jain ausführlich vor. Leser tauchen in dessen Biographie ein, lernen die persönlichen Stärken des wichtigsten europäischen Bankers („exzellent vorbereitet, sauber denkend“) und die Schwächen kennen. Dazu gehören seine mangelnden Deutschkenntnisse („rund 300 deutsche Vokabeln“) und seine Erwartungen an Mitarbeiter („Kontrollfreak“).

Roter-Reiter.de-Fazit: Ein gewagtes, weil sehr frühes Buch, über den wohl wichtigsten Banker Europas. Meck gelingt das Experiment. Er vermittelt die Philosophie des jungen Inders und kennt dessen Pläne. Er erläutert detailliert, was Jain von seinem Vorgänger Ackermann unterscheidet. Das ist nicht nur für Banker und Wirtschaftsfachleute spannend.

Oliver Ibelshäuser www.roter-reiter.de

 

Geort Meck; The Deutsche. Campus Verlag 2012
Mehr Infos zum Buch: „The Deutsche“ auf Managementbuch.de

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