Keine Angst vor der Börse

Die Deutschen sind immer noch ein Volk von Börsenmuffeln. Der Löwenanteil, und zwar etwa zwei Drittel der privaten Geldvermögen ist (vermeintlich) risikolos, dafür aber wenig rentabel angelegt – auf Sparkonten, als Festgeld oder bei den Versicherern. Der Aktienanteil am Gesamtvermögen stagniert seit Jahren im einstelligen Bereich. Nach den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts DAI besaßen 2010 lediglich 8,6 Millionen Bürger und Bürgerinnen Aktien oder Aktienfonds – wobei viele Depots nichts anderes sind als Friedhöfe für die traurigen Reste der „new economy“. Umso wichtiger, dass sich Christine Bortenlänger, Chefin der Münchner Börse und eines der wenigen weiblichen Gesichter in der deutschen Finanzwelt, zusammen mit ihrem Pressesprecher Ulrich Kirstein des Themas annimmt.

Wohin mit dem Geld?

Die jetzt erschienene dritte und aktualisierte Auflage von „Börse für Dummies“ ist zwar mit knapp 400 Seiten nicht unbedingt schnell zu bewältigen, Sie erhalten dafür aber fundierte und gleichzeitig leicht lesbare Informationen. Und alle relevanten Fragen zum Thema Börse werden beantwortet. Wie funktioniert die Geldanlage an der Börse? Was muss man beachten? Wie kann man als Privatanleger agieren? Die investierte Lesezeit wird sich lohnen. Sie sind damit auf dem besten Weg, das Ersparte zu behalten. Und sich selbst kundig zu machen ist auf jeden Fall besser, als die Entscheidung über Ihre Finanzen anderen zu überlassen. Denn am Ende trägt niemand anders die Verantwortung als Sie selbst. „Börse für Dummies“ ist viel mehr als das kleine 1×1 der Börse. Denn die Autoren bringen auch die neuesten Erkenntnisse der Börsenpsychologie verständlich auf den Punkt. Und Sie lernen in lesenswerten und kritischen Portraits auch noch die großen Börsengurus von Andre Kostolany bis Heiko Thieme kennen.

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Indexfonds sind auch für Privatanleger erste Wahl

Ein wenig mehr Zurückhaltung bei manchen Einschätzungen zu Produkten, die nicht an der Börse gehandelt werden, wäre wünschenswert gewesen. So etwa beim Hinweis, es gäbe einen funktionierenden Zweitmarkt für Anteile geschlossener Fonds, also für unternehmerische Beteiligungen an Schiffen, Flugzeugen oder Immobilien. Den gibt es nicht, wie man mit einigen Klicks auf den entsprechenden Internetplattformen leicht feststellen kann. Wünschenswert wäre auch etwas mehr kritische Distanz zur Finanzindustrie, etwa zur Beratungspraxis der Banken gewesen. Denn die finanzieren sich ebenso wie viele freie Finanzberater über Provisionen. Unabhängige und objektive Beratung bleibt da schnell auf der Strecke. Immerhin erwähnen die Autoren, dass es Alternativen zu den teuer zu bezahlenden Leistungen der Manager von aktiv gemanagten Investmentfonds gibt. Denn gerade auch für private Anleger sind passiv verwaltete Indexfonds eine sehr gute Alternative.

Rein ins Getümmel

Insgesamt aber gelingt das Vorhaben, dazu einzuladen, sich sehr ernsthaft mit dem Thema Geldanlage und Wirtschaftsleben zu beschäftigen. Roter-Reiter.de – Fazit: Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur „Finanzbildung“ in Deutschland. Sehr lesenswert! Und für Sie ein guter erster Schritt, wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie ihr Erspartes rentabler anlegen können. Und dann heißt es: Ausprobieren. Denn, so schreiben die Autoren im Vorwort, „… es reicht nicht, ein Buch über Klettern zu lesen und dann hurtig die Eiger-Nordwand zu besteigen“.

Dr. Birgit Bosold, www.Roter-Reiter.de

Christine Bortenlänger, Ulrich Kirstein; Börse für Dummies. Wiley VCH Verlag 2011

Mehr Informationen zu >> Börse für Dummies auf Managementbuch.de

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