Wohin mit dem Geld?

Die Investmentstrategen sind sich nicht einig. Während einige vor steigenden Inflationsraten warnen, sehen andere eher Deflationsgefahren. Die Situation scheint entspannt, mit Inflationsraten um die 2% im langjährigen Durchschnitt.  Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Was wir aber wissen: Im August 2012 war die Inflationsrate in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr bei +2,1%. Zum gleichen Zeitpunkt hatten 10-jährige Bundesanleihen eine jährliche Rendite von 1,65%. Noch größer wird die Differenz zwischen Inflation und Zins, wenn man in Rechnung stellt, dass die offiziellen Inflationsraten die realen vielleicht nur unzureichend abbilden. Wir alle können feststellen, dass wir heute für ein Bier in der Kneipe in etwa den Betrag bezahlen, den wir vor der Einführung des Euro in D-Mark bezahlt haben. Daraus lassen sich Inflationsraten von ca. 6% im Jahr ableiten.

Was die erfolgreichsten Vermögensverwalter Deutschlands empfehlen

Damit sind wir beim Schlüsselgedanken des von Bert Flossbach und Philipp Vorndran vorgestellten Szenarios. In ihrem Buch erläutern sie ausführlich, wie es zur aktuellen Krise kommen konnte: der ganze ungute Cocktail aus (zu) billigem Geld, (zu) lockeren Regeln für die Finanzmärkte, fehlender Haftung und fehlerhaften Bewertungen von Risiken, falschen Anreizen für Investoren und Staaten und überforderten und eben auch falsch motivierten Politikern, die ja auch nur Menschen sind und eben wiedergewählt werden wollen. Aber den beiden Autoren geht es nicht in erster Linie um diese Geschichte. Die unter dem Namen „Flossbach von Storch“ firmierenden unabhängigen Kölner Vermögensverwalter gehören zu den aktuell erfolgreichsten in Deutschland, vielfach mit Preisen ausgezeichnet und viel gefragt als Experten in den deutschen Medien. Es geht um die Frage: Wohin mit dem Geld, mit Ihrem Geld?

Wenn das Papiergeld nurmehr Papierwert hat

Die Inflation kommt, da sind sich die beiden Vermögensverwalter sicher, in Frage steht nur, wie schnell und wie heftig. Ihr Szenario lässt sich in etwa so zusammenfassen: Noch sind die Inflationsraten zwar erträglich, begründet in den billigen Importen aus Fernost oder den noch niedrigen Mieten. Aber das Vertrauen ins Papiergeld wird schwinden: Anleger werden dann verstärkt in Sachwerte investieren, schon jetzt explodieren die Preise der Immobilien in den Städten, und Menschen ohne Vermögen werden vermehrt langlebige Wirtschaftsgüter kaufen. Das wird die Preise treiben. Die Notenbanken werden nicht dagegen steuern (können), weil Zinserhöhungen für die hoch verschuldeten Staaten und deren labile Wirtschaft nicht verkraftbar sind.  Noch allerdings hat sich das nicht herumgesprochen. Immer noch haben die Deutschen mehr als 90% ihrer Geldvermögen in Bankeinlagen, Versicherungen, Anleihen oder Pensionsansprüchen investiert, alles nichts als „nominale Versprechen“, so die Autoren. Den wenigsten gelingt es bereits, ihr Denken umzustellen, sie erliegen der „Nominalwert-Illusion“, kein Wunder, weil die letzte Inflationsperiode während der Ölkrise in den 1970er Jahren drei Jahrzehnte zurückliegt. Aber die Zukunft, da sind sich die Experten sicher, hat schon begonnen. Zurück also zur Frage, wohin mit dem Geld.

Kapitalerhalt gibt es nur um den Preis des Risikos

Die wichtigste Botschaft der beiden Investmentstrategen: Der Risikobegriff muss neu definiert werden. In der „alten Welt“, so die Autoren, sei Risiko eine nominale Größe. Alle Vermögenswerte ohne Preisschwankungen sind damit automatisch risikolos. Z.B. Kontoguthaben oder auch Anleihen mit guter Bonität. Staatsanleihen von solchen ehemals als sicher geltenden Emittenten wie Spanien oder Griechenland haben sich in der Zwischenzeit als Hochrisikoanlagen erwiesen und was mit unseren guten alten Sparbüchern wird, werden wir noch sehen. Sicher ist auf jeden Fall:  „Wer sein Kapital erhalten will, muss ins Risiko gehen. Wer das nicht möchte, ist schon drin.“

 

Was vor dem Zugriff des Staates nicht geschützt werden kann, ist auch nicht sicher

Ihre Anlagephilosophie stellen die Autoren im letzten Kapitel ihres Buches vor. Die Eckpunkte sind zwar Binsenweisheiten, dennoch aber können sie nicht oft genug wiederholt werden: Dass Vermögenswerte in verschiedenen Anlageklassen und Regionen diversifiziert werden sollten, versteht sich von selbst. Ein weiteres Postulat ist Flexibilität, denn illiquide Vermögenswerte wie Immobilien können nicht nur nicht ohne Weiteres veräußert werden, sondern sind auch politischen Risiken ausgesetzt, weil sie nicht vor einem Zugriff des Staates geschützt werden können. Mit ihrem Plädoyer für „Solvenz“ meinen die Autoren nicht etwa die Bonität von Wertpapieren, sondern die Solvenz des Vermögensinhabers oder der – Inhaberin, ein wichtiger Hinweis. Denn Totalverluste sind praktisch nur durch Verschuldung möglich.

Was bei Immobilien die Lage, ist bei Unternehmen das Geschäftsmodell

Die beiden letzten Eckpunkte des „Anlage-Pentagramms“ sind die schwierigsten: Auf Qualität sei zu achten. Was bei Immobilien die Lage, ist bei Unternehmen das Geschäftsmodell.  „In schwierigen Zeiten, wenn die Flut nicht mehr alle Schiffe hebt“, wirkten sich Faktoren wie die finanzielle Solidität, die Nachhaltigkeit der Geschäftsentwicklung oder auch die Fähigkeiten des Managements besonders aus. Allerdings ist es nicht so einfach, die Qualität von Geschäftsmodellen oder die Lage von Immobilien wirklich richtig zu beurteilen. Und auch der letzte Anlagegrundsatz, das Loblied auf das antizyklische Agieren ist einfacher gesungen als dann tatsächlich in Investitionsentscheidungen umgesetzt. Wer wollte schon so genau sagen, an welchem Punkt eines Zyklus wir gerade sind.

Die Epoche garantierter Sicherheiten ist vorbei. Mit Sicherheit.

Trotz der grauen Zukunftsaussichten lassen die beiden Autoren die Kirche im Dorf. „Die Weltgeschichte – so schreiben sie in ihrer Einleitung – hat Schlimmeres zu bieten als 5 bis 10% Inflation.“ Es geht einfach darum, zu „akzeptieren, dass die Epoche garantierter Sicherheiten nicht ewig währt.“ In diesem Sinn: Lesen Sie das Buch und bilden Sie sich eine Meinung!

Dr. Birgit Bosold, www.Roter-Reiter.de

 

Bert Flossbach, Philipp Vorndran „Die Schuldenlawine“. Finanzbuch Verlag GmbH. 2012

Mehr Informationen zu >> „Die Schuldenlawine“ auf Managementbuch.de

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