Mach mal Platz im Kopf

Je mehr wir ständig „on“ sind, desto stärker wird das Bedürfnis, einfach mal abzuschalten, das Licht im Kopfkino auszuknipsen, um wenigstens für ein paar Augenblicke zu sich selbst zu kommen. Leichter gesagt, als getan. Das weiß auch Andy Puddicombe. Der 38-jährige Brite schmiss als junger Mann das Sportstudium und brach auf in die Welt der buddhistischen Klöster. Seine Reise führte ihn zu vielen Lehrern, schließlich wurde er selbst buddhistischer Mönch. Aber er wollte sein Leben nicht hinter Klostermauern verbringen – sondern die gesundheits- und persönlichkeitsfördernde Wirkung der Meditation in den westlichen Alltag integrieren. Mit „Mach mal Platz im Kopf“ trifft er den Nerv der Zeit – und das Problem von Führungskräften genauso wie das von Berufseinsteigern.

Fitnesstraining für den Geist

Meditation ist für Puddicombe vergleichbar mit einem Fitnesstraining. Ist bei Letzterem die körperliche Gesundheit das Ziel, so ist es bei der Meditation das Training der Achtsamkeit. Die zehn Minuten täglicher Meditation sind deshalb für Puddicombe kein Selbstzweck, sondern die Einübung, achtsam mit sich und der Umwelt umzugehen. Und das bedeutet, Stress schon bei der Entstehung zu „bearbeiten“ beziehungsweise erst gar nicht aufkommen zu lassen. Zehn Minuten Meditation also, um die restlichen 23 Stunden und 50 Minuten in einer „nicht zu erschütternden Erfülltheit“ zu verbringen.

Meditation heißt erkennen, dass hinter den Wolken der blaue Himmel ist.

Die Herangehensweise des ehemaligen Mönchs orientiert sich an den Lehren, die er auf seinen vielen Stationen erfahren hat. Und die lassen sich in drei Bereiche gliedern, entlang derer Puddicombe auch sein Buch aufbaut.

1. Die Herangehensweise an die Technik. Was passiert durch Meditation? Was kann jemand erwarten, der meditiert?
2. Die Einführung in die Meditationstechniken. Muss ich stundenlang still sitzen, um irgendwann „erleuchtet“ zu werden? Oder geht es mehr darum, ein besseres Bewusstsein des eigenen Tuns und Handelns zu erreichen.
3. Die Integration der Meditationserfahrung in den Alltag

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Puddicombe argumentiert dabei immer mit verständlichen Geschichten. Das Wesen der Meditation zeigt er am Beispiel des blauen Himmels. Auch wenn wir nur dunkle Wolken sehen, existiert dahinter der blaue Himmel. Der „blaue Himmel“ ist aber nichts, was wir erreichen oder irgendwie anstreben könnten. Denn der blaue Himmel ist immer schon da. Unsere Möglichkeit besteht darin, das zu erkennen.

Die Hirnforschung bestätigt die Wirkung der Meditation

Puddicombe verspricht keine Instantlösung. Denn so wie ein Fitnesstraining allmählich die Muskulatur aufbaut, baut auch Meditation allmählich die Fähigkeit auf, sich und die Umgebung in neuem Licht zu sehen. Ein Resultat, das der Autor immer auch in den Kontext der neueren Hirnforschung stellt. So konnten Neurowissenschaftler zeigen, dass sich durch Meditation Gehirnareale verändern. Und auf der praktischen Ebene konnten positive Effekte bei der Behandlung von Schlafstörungen, Bluthochdruck und Angstkrankheiten nachgewiesen werden.

Das Ziel ist es, gleichzeitig konzentriert und entspannt zu sein

Zehn Minuten Übungszeit täglich reichen aus und sind gleichzeitig auch notwendig, um durch Meditation zu gesteigerter „Achtsamkeit“ zu gelangen und das heißt „konzentriert und entspannt“ zu sein. Puddicombe zeigt, wie Sie eine Zehn-Minuten-Meditation durchführen (von der richtigen Sitzgelegenheit bis zur richtigen Tageszeit). Sein Buch ist dennoch keine technische Anleitung. Vielmehr berichtet Puddicombe von seinen Fehlschlägen und Erfahrungen und erspart „Novizen“ dadurch so manche Enttäuschung. Denn es ist wichtig, die Möglichkeiten realistisch einzuschätzen – und auch den Aufwand. Roter-Reiter.de Fazit: Andy Puddicombe gelingt es, die asiatische „Geistesschulung“ in die westliche Welt zu transferieren. Er braucht dazu keinen spirituellen Überbau, sondern lehrt uns eine andere Wahrnehmung. Seine erste Aufgabe dazu heißt denn auch lapidar „Nichts tun“. Für viele von uns wohl die schwerste Aufgabe.

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Wolfgang Hanfstein, www.Roter-Reiter.de

Andy Puddicombe Mach mal Platz im Kopf. Knaur MensSana.

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