Die wichtigsten Erkenntnisse der Behavioral Finance

19081190_19081190_xlRezension von Hanno Becks Buch „Geld denkt nicht“

Angenommen Sie haben zwei Wertpapiere in ihrem Depot z.B. Aktien oder Fonds, die sie einmal zu 100 EUR gekauft haben. Das Wertpapier A ist gerade 150 EUR wert, Wertpapier B 50 EUR. Sie brauchen Geld und müssen eines der beiden verkaufen. Welches verkaufen Sie? Die meisten Leute würden eher Wertpapier A verkaufen, das mit dem Gewinn. Aber warum eigentlich? Vermutlich eher nicht, weil sie fundierte Informationen haben, dass das Wertpapier B zukünftig die bessere Wertentwicklung zu erwarten hat, sondern eher deswegen, weil sie mit dem Verkauf des Wertpapiers B einen Verlust realisieren müssten. Das kleine Beispiel gibt Gelegenheit einen der psychologischen Fallstricke zu illustrieren, in denen wir uns bei unseren Entscheidungen immer wieder verfangen.  So neigen wir z.B. regelmäßig dazu, Gewinneraktien zu verkaufen und Verliereraktien zu halten, dieses Verhalten wird „Dispositionseffekt“genannt. Wir tun das, weil uns Verluste mehr schmerzen als uns Gewinne freuen, weil wir eine schwere „Verlustaversion“haben.  Die Aussicht, einen Verlust zu realisieren, zerrt zudem an unserem Ego, wir mögen es nicht, uns Fehler eingestehen zu müssen und verfügen über eine ganze Reihe von Strategien des „self-servings“, so der Fachbegriff, mit denen wir unser Selbstbild immer schön strahlend halten.

Es hat sich inzwischen auch in den Wirtschaftswissenschaften herumgesprochen, dass Menschen sich nicht so rational verhalten, wie die klassische Ökonomie es sich in ihrem idealtypischen Modell des „Homo Oeconomicus“vorstellt. Der noch junge Zweig der Behavioral Finance untersucht die wirklichen Entscheidungen realer Menschen und beschreibt die systematischen Wahrnehmungsverzerrungen, denen wir unterliegen. Genutzt werden dabei Methoden und Erkenntnisse der kognitiven Psychologie. Verknüpft mit den Konzepten der klassischen Ökonomie setzt sich langsam ein neues Modell durch, das des zu begrenzt rationalem Verhalten fähigen Wirtschaftssubjekts.

Hanno Beck, ehemaliger Wirtschaftsredakteur bei der FAZ, gelingt in seinem Buch ein gut verständlicher und leicht lesbarer Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse der Behavioral Finance mit vielen amüsanten Geschichten aus der wirklichen Welt und vielen praktischen Ratschlägen für das wirkliche Leben. Es ist ein Buch, das Sie gemütlich auf dem Sofa lesen und bei dem Sie lernen können, wie Sie einen kühlen Kopf bewahren und vielleicht den einen oder anderen Fehlschluss vermeiden können.

Der Rote Reiter empfiehlt das Buch allen, die mit ökonomischen Entscheidungen zu tun haben – also allen. Denn nicht nur, wenn es um Anlageentscheidungen geht, sondern auch bei unseren täglichen Kaufentscheidungen neigen wir dazu, uns selbst auf den Leim zu gehen.

Birgit Bosold, Roter Reiter.de

Hanno Beck: „Geld denkt nicht“, Hanser Verlag 2012

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