Der europäische Patient auf der Couch des Markt-Analysten Dirk Müller

19941132_19941132_xlDirk Müller, der Mann, der Ihnen im TV und in Tageszeitungen gerne die Ursachen von DAX-Höhenflügen oder Börsentiefs erläutert, widmet sich in seinem neuen Buch „Showdown“ den Ursachen der Euro-Krise, den Perspektiven einer echten Energiewende und der Utopie basisdemokratischer Entscheidungswege in der Europolitik. Viele Themen, die Müller in Form von Fakten, Vermutungen und Prognosen sehr unterhaltsam aufarbeitet, ohne sich zu verzetteln oder gar zu langweilen. Im Gegenteil: Dank der lockeren, teils fast schnoddrigen Ansprache erinnert das Buch weniger an einen Grundkurs in VWL als an ein gutes Gespräch mit einem Freund – bei Bier und leckerem Essen in einer urigen Kneipe.

Griechenland: Euro-Drama und Politkrimi

Der Vorspeisenteller kommt dabei selbstverständlich aus Griechenland. Müller serviert eine pikante Mischung aus EU-Schelte und Politkrimi. Griechenland, so der Autor, würde kerngesund dastehen, wäre es bei der Drachme geblieben, denn „der Wert der Landeswährung muss unbedingt zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des jeweiligen Landes passen“. Der Euro war von Anfang zu schwer. Hinzu kamen hausgemachte Fehler wie Korruption und unglaubliche Versäumnisse in der administrativen Politik. Müller überspitzt es mit der provokanten Aussage „Klar, den Grillteller beherrscht er wie kein Zweiter, aber mit dem Steuerzahlen hat er’s nicht so.“

Spannend, wenn auch größtenteils spekulativ sind seine Ausführungen zu den griechischen Gasvorräten, die zu geheimdienstlichen Verwicklungen in bester James Bond-Manier geführt haben.

Konjunkturprogramme und Energiepolitik

Zum Hauptgang gibt es die Forderung nach neuen Konjunkturprogrammen. Hier nimmt Müller den Staat in die Pflicht, solide Rechtsgrundlagen zu schaffen, die den Unternehmen langfristige Planungssicherheiten ermöglichen. Als mahnendes Beispiel führt er die „völlig abstruse Energiepolitik“ an. Steigende Strompreise sind (auch) die Folge kurzsichtiger politischer Entscheidungen auf höchster Ebene. Lösungen in Form von Wasserstoffdepots als Energiereserven seien längst durchdacht. Hier fehle es aber am Willen, derlei Projekte schnell auf den Weg zu bringen.

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Schwere Kost, die Müller aber sprachlich leicht verpackt hat. Und am Ende gibt es dann sogar noch ein Dessert (wahlweise auch einen Ouzo) drauflegt: Das Buch endet mit der Forderung nach einem Bürokratieabbau in Europa und der Stärkung basisdemokratischer Kräfte. Unsinnige Erlasse aus Brüssel sollten durch Volksabstimmungen verhindert werden. Und das ganz bitte auch ganz zeitgemäß, denn „eine Volksabstimmung via Internet würde zu vielen Themen die Interessierten an die Tastatur locken.“

Roter Reiter Fazit: In „Showdown“ diskutiert die Müller die wichtigsten Probleme Deutschlands und Europas mehr nach subjektiven Eindrücken als nach Zahlen und Fakten. Provokativ und sehr dynamisch vermittelt er auch die vermeintlich trockenen Aspekte. Ein gutes, sehr leichtgängig geschriebenes Buch für alle, die bei den wirklich „heißen Themen“ nicht nur auf die schöngefärbten Politiker-Statements vertrauen, sondern um die Ecke denken wollen.

Oliver Ibelshäuser, www.Roter-Reiter.de

Dirk Müller: „Showdown“; Droemer 2013

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