Erklär‘ mir die ganze Welt (und den Rest auch)

19958653_19958653_xl„Quintessenzen“ von Sven Böttcher ist das Buch, das vermutlich jeder Vater gerne für seine Tochter geschrieben hätte: Mit Witz, Charme und Weitsicht knöpft er sich in kurzen Aufsätzen Gott und die Welt vor. Das dürfen Sie ruhig wörtlich nehmen!

Lernen jenseits der Schulbank

Das Manuskript des schwerkranken Bestsellerautors (Multiple Sklerose) war – gemäß Eigendarstellung  – als Vermächtnis und Lebenswegweiser an seine Töchter konzipiert. Glücklicherweise lebt er noch und hat die Word-Datei schon vor langer Zeit an einen Verlag geschickt. Ansonsten müssten Sie auf dieses wunderbare kleine Buch des (Nicht-)Wissens verzichten. Eine „Fibel“ für Quer- und Nachdenker, deren Horizont nicht bei „SAT 1“-Spielfilmen, Bundesligaergebnissen und Kontoauszügen endet. Und die auch nicht allein auf das vertrauen, was die Schule gelehrt hat.

Glück hat, wer gar nicht auf die Suche danach geht

Anhand kurzer Ausflüge in die Naturwissenschaften, die Philosophie und Psychologie beleuchtet er die bisher unbekannte Seite alltäglich erscheinender Kategorien. Die Seele, die Natur, der Tod und die Angst – all das erscheint (erstrahlt sogar!) in einem neuen Licht. Und auch das Glück bekommt eine zusätzliche Dimension („Erkenntnis, dass unsere Wünsche auch im günstigsten Fall nicht erfüllt werden“).

Jesus? Prima – Kirche? Mist!

Esoterisch sind die kleinen Gedankenspiele aber nicht – zumindest nicht im klassischen Sinne. Vielmehr geht es Böttcher um seine persönliche Sicht dessen, was ein besseres Leben definieren könnte. Freundliche Ratschläge gehören selbstverständlich dazu („Trau dich, dich selbst zu enttäuschen, wenn es sein muss“). Aber auch beißende Kritik, an der sich mancher Leser reiben wird („über Jesus muss man nicht viel wissen, nur das, was der Religionslehrer nicht sagt“). Die Kirche kommt dabei übrigens nicht gut weg.

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Letztendlich ist es genau die Mixtur aus unverblümt subjektiven Standpunkten und klugen Handlungsanweisungen, die das Buch einzigartig machen: Böttcher gibt nicht den Besserwisser, sondern erklärt seine individuelle Weltsicht. Und das so originell und geistreich, dass Sie gerne zuhören oder zumindest mit ihm streiten möchten. Auch das lohnt sich.

Roter Reiter-Fazit: Ein wunderbares Buch für Leser aller Altersgruppen, die bereit sind, ihre verrosteten Denkmuster für neue Blickwinkel zu polieren. Wer „Sofies Welt“ gerne gelesen hat, wird auch „Quintessenzen“ genießen. Wer „Sofies Welt“ noch nicht kennt, findet hier den passenden Appetit-Happen dafür.

Oliver Ibelshäuser www.roter-reiter.de

Sven Böttcher: „Quintessenzen“; Ludwig 2013

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