Kult aus Chemnitz

20583217_20583217_xl„Einen auf dicke Hose machen“, das nahmen Firmengründer Wolfgang Jassner und Marketingexperte Gerhard Fischbach (fast) wörtlich, als sie vor 20 Jahren angetreten sind, um das Modelabel „bruno banani“ zu einer Kultmarke zu machen. Zum Jubiläum der erfolgreichen Firmengeschichte erinnern sich die beiden Macher an den Gründer-Spirit („hoch attraktive Herausforderung und ein Budget das genau das Gegenteil davon war“), die kleinen Störfeuer und die großen Kampagnenerfolge. Eine unterhaltsame Firmenbiografie in vielen O-Tönen, sehr inspirierend.

Jassner frischt die Unterhose auf

Mit 15 Mitarbeitern und der Mission, unverwechselbare, edle Unterwäsche für „ihn“ und „sie“ zu entwerfen, startet Jassner im November 1993 mit dem Unternehmen. Ein perfekter Zeitpunkt, denn der Wäschemarkt in Deutschland „döst vor sich hin“ – zwischen antiquiertem Feinripp und der exaltierten Underwear der Gay-Szene. Diese Lücke hat Jassner gefüllt. Der Markenname „bruno banani“ kam recht spontan von Fischbach, der die Corporate Identity für das Label schuf und längst zu den besten PR-Profis in Deutschland zählt.

Heute steht das Label vor allem für bezahlbare Designer-Ware, die in den Regalen großer Kaufhäuser zu Hause ist. Ein Must-have für stilbewusste, junge Menschen. Zudem vertreibt bruno banani auch Bademode, Accessoires wie Uhren und Parfum. Erweiterung in der Angebotsplatte durchaus möglich.

Mit dem Slip in den Weltraum und auf den Meeresgrund

Den Erfolg kam aber für die kurzen Höschen nicht über Nacht, sondern war das Ergebnis rotzfrecher Marketing-Spitzen. Fischbach setzte immer auf die breite, öffentliche Wahrnehmung. Nicht nur auf Plakaten, sondern auch in den „Hauptnachrichten der TV-Sender und in wichtigen Printmedien“. Im Jahr 1996 schicken die beiden Macher Unterwäsche aus Chemnitz in den Weltraum. Getragen von Kosmonauten der Raum-Station „Mir“. Beim „Pressure Proof 2001“ musste sich die Unterwäsche in 4800 Metern Tiefe unter dem Meeresspiegel als widerstandsfähig erweisen. Frei von Bremsspuren verlief der „Speed-Proof“ im Jahr 2002, als die „schnellste Unterhose der Welt“ ermittelt wurde. Derzeit läuft die „World Trike Tour“. Ein Pilotenpaar umrundet im Leichtflugzeug die ganze Erde und bricht dabei gleich sieben Weltrekorde. Der Markenschriftzug ziert dabei nicht nur die Tragflächen der Maschine, sondern auch den Gummibund der Pilotenwäsche. Am Ende der Aktion winkt das „Qualitätssiegel World proofed“. Die Presse wird ganz sicher davon berichten.

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Witziges Detail zum Schluss: Sie werden Unterwäsche von „bruno banani“ in fast allen Farben finden, nur eben nicht in Gelb. Und das hat einen Grund: „Das wäre uns zu viel Nähe zu Chiquita und Co gewesen. Ein krumme Südfrucht und eine Designer-Unterhose, das passt irgendwie nicht.“

Roter Reiter – Fazit: „Not for everybody“ ist die kometenhafte Erfolgsgeschichte eines mittelständischen Unternehmens aus Ostdeutschland. Vor allem aber ist das Buch eine Sammlung origineller, teils aberwitziger PR-Gags, um die eigene Marke aus dem Gestrüpp der Verwechslungsgefahr zu befreien und das Versprechen „nicht für jedermann“ in den Köpfen zu verankern.

 

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

Wolfgang Jassner, Gerhard Fischbach: „Not for erverybody“; Wiley 2013

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