Die geheime Formel großer Ideen

wo gute ideenSteven Johnsons Buch „Wo gute Ideen herkommen“ widmet sich der Evolutionsgeschichte der Innovationen. Als roter Faden dient ihm eine ebenso simple wie aufregende These: Jede Erneuerung, unabhängig davon, ob sie in organischen Systemen wie dem Atoll einer Südseeinsel stattfindet oder als neue soziale Community dem Internet entspringt, folgt einem bestimmten Set von Regelmäßigkeiten. Johnson lässt keinen Zweifel daran, dass „überdurchschnittlich produktive Umgebungen bestimmte Eigenschaften gemeinsam haben.“

Umgekehrt formuliert: Wer das (auf nahezu alle Bereiche des Lebens) übertragbare Modell der Innovation kennt und nutzen kann, profitiert selbst von einem Ideenschub: „Je mehr wir uns diese Muster zu eigen machen, sei es in der Arbeitswelt oder bei unseren Hobbys, desto innovativer werden unsere Gedanken fließen.“ CEOs ebenso wie Marketingexperten sollten das Buch von der ersten bis zur letzten Seite lesen – nachhaltige Inspiration garantiert!

Innovationen entstehen nie aus dem Nichts heraus.

Sieben Faktoren macht er als Trigger für Innovationen ausfindig, die vor allem im Zusammenspiel wirken. Am Anfang steht dabei das Prinzip des „Nächstmöglichen“, das sehr nachvollziehbar beschreibt, wie sich das Leben auf der Erde nicht sprunghaft, sondern anhand kontinuierlicher Entwicklungsschritte ausdifferenziert. Innovationen sind demnach keine zufälligen Geistesblitze, sondern das Ergebnis einer chronologischen Erneuerung. Diesem Modell folgt selbst der kulturelle Fortschritt, „der ausnahmslos nach dem Muster: von einer Tür zu anderen funktioniert“.

Um die Ecke denken

Dass auch der Zufall große Errungenschaften gerne unterstützt, verdeutlicht das Prinzip der „Exaptation“. Gemeint ist damit eine Zweckentfremdung bestehender Verhaltensmuster oder Dinge. Vorbild ist wiederum die Natur, „denn hier stoßen Irrtum, Mutation und Serendipität die Türen zum Nächstmöglichen auf“. Die Lochkarte beispielsweise, die ursprünglich „nur“ vollautomatische Webstühle steuern sollte, trieb in modifizierter Form später die Entwicklung der Wasserstoffbombe voran. Aus Alltäglichem Unerwartetes und Überraschendes schaffen, das meint Exaptation – eine Aufgabe, die jeder Manager, Software- oder Produktentwickler auch auf seine Job-Ziele übertragen sollte.

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Roter Reiter – Fazit: Die beeindruckendsten Innovationen bringt die Natur selbst hervor. Johnson motiviert uns in seinem großartigen Buch „Wo gute Ideen herkommen“ mit Hilfe seiner vielen Ausflüge in Natur- und Sozialwissenschaften genauer hinzuschauen und die Modelle der eigenständigen Erneuerung zu übernehmen. Und sei es nur, um eine stabilere, ökologisch verträglichere Einkaufstüte herzustellen. Oder eine Anti-Spam-Funktion für Facebook. Beides wären kleine Verbesserungen im Alltag, aber wichtige Schritte, um wiederum einer Vielzahl künftiger Ideen und Entwicklungssprüngen den Weg zu ebnen.

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

 

Steven Johnson: „Wo gute Ideen herkommen“; Scoventa 2013

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