Morgen ist weniger mehr

neustartGrönland wird zu „Grünland“, vor allem aber zum Mittelpunkt der nördlichen Hemisphäre mit seiner Hauptstadt und Partymetropole Nuuk, die bei Zuwanderern beliebter ist als London oder New York. Wann das sein wird? Irgendwann gegen Ende des 23. Jahrhunderts, wenn ein Modegenerator individuelle neue Klamotten aus Altkleidung recycelt und winzige Computerchips unter die Haut implantiert werden und ein Handy überflüssig machen.

Reiner Klingholz konstruiert in seinem Buch „Sklaven des Wachstums“ eine waghalsige, schaurig-schöne Utopie vom Leben in der Zukunft, das die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Versäumnisse der Gegenwart längst überwunden hat. In seiner „Glaskugel“ entdeckt der Autor ein globales Öko-System, das die einst „erodierten und vergifteten Naturbestände“ längst durch „Sekundarbiotope“ ersetzt hat. Und eine Gesellschaft fern von nationalstaatlichem Denken und religiösen Grenzen, die Ökonomie und Ökologie ins Gleichgewicht bringt. Bis dahin, so Klingholz, muss ein langer Weg beschritten werden. Kriege und Krisen werden die Begleiter sein, sofern wir die ersten Schritte noch weiter hinauszögern.

Wachstum ist nur ein Zwischenschritt

Vor allem erteilt Klingholz den Wachstumspredigern eine klare Absage, die ihre Wohlstandsprognosen gerne mit Exportrekorden und Verweisen auf den technologischen Fortschritt untermauern. Wachstum ist kein Naturgesetz und dauert nicht ewig. Schon gar nicht in Mitteleuropa, wo die Zahl der Bevölkerung rückläufig ist und ökologische Probleme längst die wirtschaftlichen Höhenflüge der Vergangenheit in Frage stellen. Wo eine Gesellschaft auf Pump lebt und auch die hohen Zinsen der Natur früher oder später begleichen muss. Mit Antworten auf CO2-Belastung und Atommülllager. Klingholz spricht treffend von den „Exkrementen“ unseres Wirtschaftens.

Schwellenländer auf der Überholspur

Die große Chance einer globalisierten Gesellschaft, die Güter, Ressourcen und Lebensperspektiven besser verteilen kann, liegt in der Umverteilung. Während Deutschland schrumpft, werden die Länder der Dritten Welt aufholen und die Schwellennationen zu neuen wirtschaftlichen Führungsmächten emporklettern. Höherer Bildungsstand, mehr Einkommen, mehr Wirtschaftskraft und eine wachsende Bevölkerung – das sind die langfristigen Perspektiven, die Afrika zu einem schlafenden Riesen machen. Klingholz zeigt in seinem Buch sehr eindrucksvoll, wie die bisherigen Kategorien zur Wohlstandsmessung wie BIP, Mittelschicht und „Humankapital“ neu gefasst werden müssen, um die Zukunft als Chance zu begreifen. Ob das Paradies dann für Europäer, Afrikaner, Asiaten und Amerikaner auf Grönland liegt, ist ungewiss. Aber es wäre gewiss nicht die schlechteste Vorstellung.

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Management Journal – Fazit: Autor Reiner Klingholz dreht in seinem spannenden Buch „Sklaven des Wachstums“ den Scheinwerfer auf die dringenden Zukunftsfragen, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft längst beantworten müssen: Wie gestalten wir unser Leben jenseits der Wachstumsperioden? Seine Antworten darauf sind einleuchtend und durchaus hoffnungsvoll.

Oliver Ibelshäuser, www.management-journal.de

Zum Buch: Rainer Klingholz: „Sklaven des Wachstums“, Campus 2014

 

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