Griesgrämig zur Arbeit, happy in den Feierabend?

engagement indexDie Wirtschaft brummt, Deutschland ist produktiv wie nie und gehört nach wie vor zu den wirtschaftlichen Lokomotiven der Welt. Und das, obwohl hierzulande der Großteil aller Arbeitnehmer nur widerwillig zur Arbeit geht. Das jedenfalls ist die Schlussfolgerung aus dem jetzt als Buch vorliegenden Gallup Engagement Index.

Hohe emotionale Bindung an den Arbeitgeber in den USA, niedrige Bindung in den Niederlanden

Es ist bitter. Nur 15% aller abhängig Beschäftigten in Deutschland haben eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Im Klartext: 85% aller Beschäftigten haben mit ihrem Brötchengeber nichts am Hut. Alarmierende Zahlen auch aus so unterschiedlichen Ländern wie Holland (9% mit hoher emotionaler Bindung), Iran, (7%), Irak (6%) oder China (6%). Ganz anders sieht es einmal mehr in den USA aus. 30% der Beschäftigten in den USA haben eine hohe emotionale Bindung an den Arbeitgeber. Übertroffen nur von Costa-Rica mit 33%. Über die Gründe macht das Buch keine Angaben, es bleibt leider nur die Spekulation.

Zufrieden mit dem Leben, unzufrieden mit der Arbeit

Eine seltsame Korrelation ergibt sich, wenn man die Lebenszufriedenheit betrachtet. Fragt man die Beschäftigten nach der Zufriedenheit mit dem Leben allgemein, zeigen sich die Deutschen auf einer Skala von 1 – 10 mit 6,9 Punkten im internationalen Vergleich überdurchschnittlich zufrieden. Nur 7% der deutschen Arbeitnehmer stufen sich als „unzufrieden“ ein. Das lässt den Schluss zu, dass der Feierabend die am Arbeitsplatz erlebten Frustrationen mehr als wettmacht. Oder den, dass die abhängig Beschäftigten in Deutschland keinen Wert darauf legen, den Arbeitgeber besonders toll finden zu müssen – und stattdessen einfach ihre Arbeit tun.

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Ist emotionale Bindung überhaupt notwendig?

Spannend wäre, die Frage nach der emotionalen Bindung an den Arbeitgeber zu erweitern um die Frage nach der emotionalen Bindung an den Arbeitsplatz – also Kollegen, Vorgesetzte und Mitarbeiter mit einzubeziehen. Oder auch die Frage nach der emotionalen Bindung an die Tätigkeit – gibt es vielleicht immer noch so etwas Altmodisches wie „Werkstolz“? In diesem Zusammenhang wäre es auch sinnvoll und wichtig, zu untersuchen, ob und wieweit die „emotionale Bindung“ an den Arbeitgeber tatsächlich, wie behauptet, im Zusammenhang steht mit dem Engagement und der Motivation bei der Arbeit. Es ist zu wünschen, dass diese Zusammenhänge im nächsten Engagement-Report beleuchtet und schlüssiger erklärt werden.

Stark im Detail

Stärker ist das Buch, wenn Ergebnisse von Teilstudien präsentiert werden, zum Beispiel aus dem Brand Ambassador Index: 44% der in dieser Studie Befragten gaben an, nicht zu wissen, wofür ihr Unternehmen steht. Und nur 4% der Mitarbeiter mit Geschäftsleitungsfunktion hatten regelmäßigen Kundenkontakt! Solche Befunde liefern Führungskräften und Managern wertvolle Hinweise, diese Ecken in ihren Unternehmen gründlich auszuleuchten. Ebenfalls interessant ist die Studie, wenn sie es erlaubt, Trends in Zahlen festzumachen und zu zeigen, wo künftig Schwerpunkte gesetzt werden müssen.

Management-Journal – Fazit. Viele Interessante Umfrage-Ergebnisse, die jedoch oft mehr Fragen aufwerfen, als beantworten. Besonders weil der Gallup Engagement-Index oft herangezogen wird, um Führungsschwächen und Managementfehler zu brandmarken, ist es dringend notwendig, das Befragungsdesign offenzulegen und offensichtliche Widersprüche zu thematisieren. Das passiert in diesem Buch nur stellenweise. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Report diese Schwachstellen beseitigt.

Wolfgang Hanfstein, www.Management-Journal.de

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Zum Buch: Marco Nink: Engagement Index, Redline 2014

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