Das miese Spiel mit dem Blitz-Deal

flashboysDas Buch „Flash Boys“ von Michael Lewis besitzt die komplette Zutatenliste für einen üppigen Hollywoodschinken. Die spannende Handlung eines Börsen-Thrillers mit komplizierten Verstrickungen. Einen Helden („Brad Katsuyama“), der, gutgläubig und rechtschaffen, dem größten Betrug an der US-Börse auf die Schliche kommt und mit Herzblut für Gerechtigkeit kämpft. Den Besessenen („Dan Spivey“), der im fast wörtlichen Sinne Berge versetzen lässt, um seine perfiden Pläne vom schnellen Reichtum zu verwirklichen. Und natürlich haufenweise böse Buben, die an der Wall Street Broker abzocken, um sich die Taschen zu füllen.

Wenn wenige Tausendstelsekunden Millionen-Gewinne bescheren

Der Stoff dahinter könnte aus einem Grisham-Roman sein, stammt aber aus dem realen Börsenalltag zwischen New Jersey, Chicago und New York: Ein Abenteurer (Spivey) lässt eine 1331 Kilometer lange Glasfaserkabelverbindung verlegen – unter Flussbetten und durch Gesteinsmassen hindurch. Das Ziel: die kürzeste und schnellste Internetverbindung für Börsen-Deals per Internet. Nur wenige tausendstel Sekunden werden dabei eingespart.

Kurse blitzschnell steigen oder fallen lassen

Der Zeitvorteil aber reicht schließlich den handverlesenen Nutzern der Leitung, den sogenannten Flash-Tradern, um dank ausgeklügelter Software die Kurse zu manipulieren. Um Aktienwerte blitzschnell steigen und fallen zu lassen – im minimalen Zeitfenster zwischen Kaufgesuch und der Zuteilung an ahnungslose Broker. Der Kanadier Brad Katsuyama kommt rasch dahinter. Er lässt das Computerprogramm Thor entwickeln, das den Vorteil schneller Leitungen ausgleicht, und entlarvt die Hintermänner des Betrugs.

Die Wall Street ist nicht in Frankfurt

„Flash Boys“ liest sich spannend wie ein Thriller. Lewis ist ein hervorragender Erzähler, der nicht nur geschickt die Handlungsstränge miteinander verknüpft, sondern fast beiläufig die geheimen Spielregeln der Börsendeals erklärt. Vorwissen ist dabei nicht erforderlich. Dass die „Guten“ in seiner Geschichte etwas zu edel und Schurken etwas zu niederträchtig rüberkommen, verwässert die Grenze zwischen Report und Fiktion. An dem Lesevergnügen rüttelt der kleine Erzähltrick aber nicht.

Management-Journal – Fazit: In „Flash Boys“ rechnet Michael Lewis mit den Schattenspielern der Wall Street ab. Ein aufregendes Enthüllungsbuch, das die Manipulationen im amerikanischen Börsenhandel schonungslos aufdeckt, aber deutschen Anlegern nicht den Angstschweiß auf die Stirn zaubert. Die Wall Street ist Tausende Kilometer vom Frankfurter Börsenparkett entfernt. Das gilt auch für Regeln des Aktienhandels.

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

 

Zum Buch: Michale Lewis: „Flash Boys“, Campus 2014

 

 

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