Arbeiten und Innovation im 21. Jahrhundert

hosenUrsprünglich war Scott Berkun weder Blogger noch Programmierer. Und eigentlich wollte der Autor und Ex-Microsoft-Mitarbeiter nicht als Manager bei der weltweit größten Blogger-Plattform „WordPress“ (Automattic) anheuern. Dass er es doch getan hat, ist ein Glücksfall. Denn seinen Einstieg, seine Erlebnisse und Erfolge bei dem jetzigen Internet-Riesen und ehemaligen Startup hat er in seinem wundervollen Buch „Mein Jahr ohne Hosen“ zusammengefasst.

Kein Platz für Hierarchien und Bürokratie

Mit fast kindlicher Neugier erkundet Berkun das unternehmerische Neuland WordPress. Feste Hierarchien, Meeting-Marathons oder vordefinierte Prozessabläufe wie aus Redmond? Fehlanzeige. WordPress tickt komplett anders. „Sie benutzten kaum E-Mails, brachten täglich Neuheiten auf den Markt und arbeiteten ganz nach Lust und Laune überall auf der Welt“. Berkun schreibt über die unkonventionelle Unternehmenskultur wie Grzimek einst über abgeschiedene Stämme im Dschungeldickicht des Kongo. Genau das macht den Reiz: Mit großen Augen eine fremde Unternehmenskultur entdecken und beiläufig eigene Gewohnheiten auf den Prüfstand stellen, die nie hinterfragt wurden.

Das Ergebnis zählt, nicht die Anwesenheit im Büro

Manager „typisch deutscher“ Unternehmen mit dem Hang zum Behördenwesen werden sich dabei ertappen, eifrig zu nicken oder auch vehement den Kopf zu schütteln, wenn sie von der scheinbar „gesetzlosen Bande“ lesen, die ihr Unternehmen gegen alle bekannten Gesetzmäßigkeiten zum größten Online-Publisher der Welt gemacht hat. Berkun skizziert die Ideen und Ideale detailliert und gibt dabei jede Menge Tipps und Denkanstöße, die sich vielleicht nicht komplett, aber einzeln sehr wohl auch auf deutsche Mittelständler anwenden lassen: „Ein zentrales Element der Kultur von Automattic war die Tatsache, dass zuerst das Ergebnis zählte. Keiner kümmerte sich darum, wann man zur Arbeit kam und wie lange man arbeitete.“ Oder: „Der grundlegende Fehler, den Firmen machen, die über Innovationen reden, ist die Tatsache, dass sie die Eintrittsbarrieren zu hoch legen. Viele Experimente sind nötig, um gute Ideen von schlechten zu unterscheiden.“

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Keine Vorstellungsrunden in Gruppenmeetings

Und noch ein Tipp speziell für Jungmanager, die frisch auf dem Chefposten kommen und gewachsene Teams übernehmen (müssen): Das erste gemeinsam Meeting mit einer Vorstellungsrunde zu beginnen, wird zum Kaltstart. Die anderen kennen sich ja bereits – nur die Manager stehen in der Pflicht, ihr Leute kennen zu lernen. Nicht nur die Namen, sondern auch die Talente, Vorlieben und Arbeitsweisen. Wie das am besten gehen kann, weiß Berkun aus eigener Erfahrung: „Ein Trick ist es, Schriftführer zu sein. Wenn die Aufzeichnungen über die Abläufe klar und ehrlich sind, bekommt man einen Punkt für Vertrauen. Für kompakte Darstellung noch einen.“ Das sind schon zwei Boni zu Beginn. Viele junge Führungskräfte hatten einen schlechteren Start in ihren Abteilungen.

Management-Journal – Fazit: „Mein Jahr ohne Hosen“ ist auch ein Ausschnitt aus der Geschichte von Automattic und deren Marke „WordPress“. Vor allem aber ist das Buch ein Lehrstück über moderne Arbeitsverhältnisse und Kreativitätsförderung junger Teams. Lesens- und absolut empfehlenswert!

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

 

 

Scott Berkun: „Mein Jahr ohne Hosen“, Wiley 2014

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