Deutschland, das "Discountery" der Unternehmen

hoffmannAus Konsumentensicht mag die Kartellbehörde einen guten und wichtigen Job machen, wenn sie Mineralölkonzernen auf die Finger klopft, um Preisabsprachen zu verhindern. Aus Sicht der Unternehmen – auch der mittelständischen und bislang unbescholtenen – ist das Regulierungsamt zum Schreckgespenst geworden. Das Buch „Wirtschaft im Würgegriff“ von Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann ist eine wütende Anklageschrift gegen Kontrollwahn und Vorverurteilung und gleichermaßen ein Plädoyer für mehr Entscheidungsspielraum bei Preisgestaltung und Marktpräsenz deutscher Unternehmen. Damit Deutschland nicht weiter zum „Discountry“ verkommt, zum Land der künstlich ermittelten Dumping-Preise auf Kosten des Wachstums.

Hexenjagd gegen deutsche Unternehmen

Der freie und faire Wettbewerb, so die Autoren, wird durch das Kartellamt in weiten Teilen kastriert, was in letzter Konsequenz von den Konsumenten zu schultern ist: „Die Politik beschneidet unternehmerische Freiheiten, was in manchen Fällen der Enteignung gleichkommt, und entmündigt wird zugleich der Verbraucher durch Maßnahmen, die als Konsumsteuerung charakterisiert werden.“ Schon Verdachtsmomente, so Brendel und Hoffmann, reichen aus, um Unternehmen und Marken in Misskredit zu bringen, Mitarbeiter und deren Familien zu „diffamieren“. Schuld sei der „an eine Hexenjagd erinnernde Aktionismus des Bundeskartellamtes, der die Atmosphäre in Deutschland vergifte.“

Zeugen der Anklage

Für ihre schweren Anschuldigungen haben die Autoren prominente Fürsprecher gewinnen können. Als Zeugen der Anklage kommen zu Wort: Alfred T. Ritter, vorsitzender Geschäftsführer des deutschen Schokoladenfabrikanten, Wolfgang Fritsch-Albert von der Westfalen AG und Friedrich Neukirch, Geschäftsführer der Klosterfrau Healthgroup. Sie nehmen in ausführlichen Interviews Stellung und treten für Preishoheit und eigenverantwortliche Marktgestaltung der Unternehmen auf. Und auch für die unkontrollierte Kommunikation mit Wettbewerbern: „Die Wirtschaft ginge unter, wenn man das nicht mehr täte.“

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Management-Journal – Fazit: „Die Unternehmen sind aufgerufen, sich gegen den schleichenden Prozess zu wehren, um nicht in eine staatlich regulierte Wirtschaft zu rutschen“ fordern Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann in „Wirtschaft im Würgegriff“. Ein populäres Postulat unter neoliberalen Kräften – unter Anhängern der sozialen Marktwirtschaft dürfte dagegen Widerspruch laut werden.

Oliver Ibelshäuser www.Management-Journal.de

 

Detlef Brendel, Florian Josef Hoffmann „Wirtschaft im Würgegriff“ Campus 2014

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