Mit dem eigenen Unternehmen gegen den Strom schwimmen

Schwarmintelligenz hat sich in Zeiten von Wikipedia einen exzellenten Ruf erarbeitet. Und auch bei Jauch zieht der Publikumsjoker meist die richtige Antwort aus den vier Alternativen. Das war es dann aber auch schon mit Schwarmintelligenz, schreibt Provokateur und Vordenker Gunter Dueck in seinem Buch „Schwarmdumm“ und zerlegt das Vorurteil von den „Vorzügen kollektiver Entscheidungen“ in seine Einzelteile. Vor allem bei unternehmerischen Entscheidungen, so Dueck, führt der kleine gemeinsame Nenner kaum zum großen Durchbruch, sondern zu schwachen Resultaten und frustrierten Mitarbeitern.

Viele Köche verderben den Brei

„Als Einzelne sind wir klug und stark, aber als Team spinnen wir. Wir agieren als Unternehmen, als Team, als Gremium oder als Partei gemeinschaftlich so, wie wir es einzeln als Mensch ohne Fesseln und Zwänge nie täten“. Sinnbildlich steht der „Meeting-Terror“ in den Unternehmen für „selbst verschuldete Kompliziertheit unseres Lebens“ – genau das Gegenteil dessen, was angestrebt wird: Lösungen, die „smart, pfiffig und liebevoll“ sind. Komplexität reduzieren, das funktioniert nicht in Gruppen, „denn in der Unternehmenswirklichkeit treffen nicht für jedes spezielle Problem die jeweils besten Experten innerhalb eines Teams zusammen.“

Arbeiten im Panopticon

Dueck bringt in seinem Buch zahlreiche Belege zur Schwarmdummheit aus Wirtschaft und Gesellschaft, die Mittelmäßigkeit begründen, weil das „Ganze nicht verstanden oder nicht angestrebt wird, weil es nicht erreicht werden kann.“ Keine Schuld der Mitarbeiter, sondern der Manager, die das Prinzip der Schwarmdummheit hinter dem eigenen Gewinnstreben nicht erkennen. Dueck will ihnen mit seinem Buch die Augen öffnen. Die heutige Arbeitskultur vergleicht er mit einem Panopticon: Einem gefängnisähnlichen gläsernen Rundbau, in dem die „Wärter“ die Insassen jederzeit kontrollieren können, wenn sie das möchten. Dueck fordert den Mut der Vordenker, zu Vorreitern zu werden. Wir brauchen eine „kritische Masse für eine Gegenbewegung zur Schwarmdummheit“. Dabei hilft es schon, wenn einzelne Prominente oder Twitter-Bewegungen die Verbreitung einer Idee beschleunigen.“

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Management-Journal – Fazit: Dueck ist gerne der Spielverderber: In seinem Buch „Schwarmdummheit“ erteilt er Managern und Unternehmern, die auf klassische Arbeitsverteilungen oder Bewertungen setzen, eine schallende Ohrfeige. Er fordert „Manager, die ihre Mitarbeiter wie Freiwillige führen und zu First-Class-Leistungen bringen“.

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

 

schwarmdummGunter Dueck: „Schwarmdumm“, Campus 2015

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