Neue Berater braucht das Land – was Unternehmen wirklich wollen und wie Consultants endlich nützlich werden

schulzEs ist kein freundliches Zeugnis, das Edgar K. Geffroy und Benjamin Schulz im gemeinsamen Buch „Goodbye McK… & Co.“ den Beratungsfirmen und Business-Consultants ausstellen. Irgendwo zwischen „ungenügend“ und „Versetzung stark gefährdet“ müssen die Mitarbeiter von McKinsey und Co. (daher auch das „McK“ im Titel) in ihrer Bewertung nachlesen. Beleg für die schlechten Noten gibt es in der kritischen Bestandsaufnahme zur Consultant-Kultur im deutschsprachigen Raum zuhauf: Grundig, Praktiker und Swissair waren in Seenot, als die neuen Navigatoren an Bord kamen. Als sie wieder ausstiegen, waren diese Flaggschiffe längst gesunken.

Falscher Mann am richtigen Platz

Consultants, so die Autoren, treten mit großen Versprechungen an. Häufig aber müssen die beauftragenden Geschäftsführer danach schon zufrieden sein, wenn das Unternehmen noch atmen kann und die Kasse nicht völlig leer ist – denn der Premium-Service ist nun mal teuer. Einen Grund für die Beratungs-Misere stellen die Autoren klar heraus: Beim Auftragsdeal sitzen sich die jeweiligen Chefs gegenüber. Am ersten Arbeitstag betritt dann aber als „Leiharbeiter“ ein junger Schnösel die Business-Bühne: „frisch von der Uni, Designer-Anzug, polierte Schuhe und gegeltes Haar“. Extrem erfolgshungrig sind die jungen Überflieger, extrem unerfahren und extrem unbeliebt bei den langjährigen Mitarbeitern, die um Budgets und Arbeitsplatz fürchten. Diese Konstellation kann nicht gut gehen.

Der Consultant von morgen ist ein bisschen „Gandalf“

Geffroy und Schulz kosten den (berechtigten) Spott über die Nieten in Nadelstreifen leidlich aus. Zu einer Schmähschrift verkommt das Buch aber nicht. Im zweiten Teil zeigen sie sehr genau, welche Fähigkeiten Consultants tatsächlich mitbringen sollten und wie sie unternehmenskompatibel und aufgabengerecht (ganz wichtig!) auftreten. Der Berater von morgen ist (ein bisschen) wie Gandalf aus „Herr der Ringe“: Er „weiß viel, prahlt aber nicht damit. Er nimmt seine Umgebung ganzheitlich wahr. Er kann zaubern, wenn es darauf ankommt“. Noch wichtiger als die Magie aber ist eine andere Eigenschaft: „Er kann zuhören, nimmt wahr und liest zwischen den Zeilen.“ Er stellt sich auf die Wertekultur, die Kommunikation und die Etappenziele ein, die das Unternehmen tatsächlich nach vorne bringen – und spielt damit das Geld wieder ein, das in ihn investiert wird. Die Autoren zeichnen im Buch ein umfassendes Bild von der neuen Berater-Generation, die tatsächlich in Zukunft gefordert ist. Und heute schon vermisst wird.

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Management-Journal – Fazit: „Goodbye McK… & Co.“ ist mehr als eine pointierte Abrechnung mit den großen Beratungsunternehmen. Geffroy und Schulz fordern mit Herzblut und Verstand ein neues Selbstverständnis in der Consultant-Branche. Hoffentlich kommt die Botschaft an – bei McKinsey und Co und den Firmen, die derzeit teuer dafür bezahlen.

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

Edgar K. Geffroy, Benjamin Schulz: „Goodbye McK… & Co.“, Gabal 2015

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