Ludwig Erhard – wie er sprach, dachte, handelte und lebte

jetztEr hat die Nachkriegsgeschichte Deutschlands maßgeblich geprägt – trotz kurzer Amtszeit als Kanzler. Viele Zeitzeugen behalten nur das Portrait vom Zigarrenraucher in Erinnerung. Das Autorenteam um Ulrich Horstmann hat sich die Aufgabe gesetzt, ein differenzierteres Bild zu zeichnen, das vor allem die volkswirtschaftlichen Visionen beleuchtet, die (zumindest teilweise) bis heute nichts an Weitsichtigkeit und Gültigkeit verloren haben. Kurzum: Die politische Würdigung und historische Einordnung, die Erhard bislang verwehrt wurde.

Erhard als Sozialromantiker und Sozialrevoluzzer

Erhard gilt als Vater des deutschen Wirtschaftswunders, der „Wohlstand für alle“ propagierte. Mit dem gemeinsamen Buch gehen die Autoren weit über die Klischees hinaus. Erhard, so die Autoren, war kein Kapitalismus-Dogmatiker, kein stromlinienförmiger Führungspolitiker der CDU. Häufig in seinen eigenen Worten zitieren die Autoren den „Grandseigneur der Konservativen“, um seine Verdienste für eine gerechte Wirtschaftsordnung herauszustellen. Erhard als Sozialromantiker („Wirtschaft und Gesellschaft müssen so gestaltet sein, dass niemand gezwungen wäre, bei einem Sozialamt um Hilfe zu bitten.“) und als Revoluzzer: „Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs war Ludwig Erhard der entscheidende soziale Revolutionär, der den im planwirtschaftlichen Denken verhafteten Deutschen einen neuen Weg wies.“

Anfang und Ende einer Ära

Gelungen: Nicht allein die ökonomische Sichtweise kommt zur Sprache. Erhards Erfolge und sein Scheitern sind ebenso Thema des Buches. „Glücklos und von Karrieristen umgeben musste der Volkskanzler 1966 abtreten“ resümieren die Autoren die kurze Kanzlerschaft. An seinem politischen und wirtschaftlichen Vermächtnis aber rütteln die damaligen Intrigen nicht mehr. Gerade das bringt das Buch klar auf den Punkt.

Roter Reiter.de-Fazit: Wie aktuell kann das Denken und Handeln eines Kanzlers aus den frühen 60er Jahren sein, der heute für das Wirtschaftswunder steht? Das Buch gibt überraschende Antworten darauf. Lesenswert.

Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

Ulrich Horstmann, Stephan Werhahn, Luise Gräfin Schlippenbach, Martin Zeil, Günther Ederer: „Ludwig Erhard jetzt“, FBV, 2015

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