Das neue Betriebssystem für das Unternehmen – wir sind Chef

wir-sind-chef-haufeViele Titel aus der aktuellen Management-Literatur zeichnen ein Bild von deutlich gewachsenen Anforderungen an Führungskräfte in Unternehmen. Sie sollen innovativ sein und Innovationen fördern, am besten Trends vorhersehen und fair gegenüber allen Mitarbeitern sein, gleichzeitig aber auch Talente erkennen und diese gezielt fördern. Und so erwächst ein enormer Druck, der vielfach auch selbst gemacht ist. Denn wer kann schon beim Blick in den Spiegel von sich selbst sagen, dass er alle diese Eigenschaften besitzt? Der Verfasser Hermann Arnold bringt es auch den einfachen Punkt und stellt die berechtigte Frage, wieso sich Führung nicht auch arbeitsteilig verstehen läßt. Schließlich erwarte auch niemand, dass ein Mitarbeiter aus dem Accounting sich mit agilen Produktionstechniken auskennt.

Das läuft in Unternehmen schief

Ganz nüchtern wendet sich Arnold im ersten Kapitel einer Bestandsaufnahme der Realität in Unternehmen zu. Die Lehmschicht, in der das mittlere Management gefangen scheint, dürfte vielen seiner Leser vertraut vorkommen. Das Top-Management hat das Gefühl, dass seine Ideen gar nicht bis zu den Mitarbeitern durchdringen und Veränderungen viel zu lange dauern. Und die Mitarbeiter spüren, dass ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge gar keine Chance haben, die Unternehmensführung zu erreichen. Abgeschottet in den eigenen Silos wird „produktiv“ gearbeitet. Als Ergänzung dieser Sichtweise bietet sich etwa auch das Buch „Zurück an die Arbeit“ an.

Nach dieser ersten Zustandsbeschreibung geht es mit verschiedenen Sichtweisen auf Unternehmen weiter. Arnold widmet sich hier ausführlich der Ambivalenz zwischen gesteuerten und selbstorganisierten Formen. Nüchtern, zugleich sprachlich brillant, arbeitet er heraus, dass die Organisation in Unternehmen nicht mehr starr sein kann. Die klassischen Führungsinstrumente wie Zielvorgaben und Zielvereinbarungen, Bewertung und leistungsgerechte Bezahlung funktionieren immer seltener. Das hat natürlich auch mit den technologischen Umwälzungen zu tun, wie wir sie in den vergangenen Jahren erleben. Und diese Umwälzungen werden von den Mitarbeitern aktiv ins Unternehmen getragen, was zu Schattenorganisationen führen kann. Exemplarisch setzt sich Arnold mit der Macht der Führungskräfte auseinander und stellt sie als das dar, was sie ist, eine Illusion. Als eines seiner Beispiele dient ihm etwa die Abgas-Affäre von VW, die durch Schattenorganisation erst begünstigt wurde.

Anleitungen für mehr Selbstorganisation

Der Schwerpunkt des sehr hübsch illustrierten Buches liegt darin, dem Leser konkrete Anleitungen an die Hand zu geben, einen Wandel im Unternehmen herbeizuführen. Es geht um einen Neustart des Betriebssystems der Organisation, mit dem Ziel, Schattenorganisationen zu vermeiden, Silos abzubauen, die Mitarbeiter von Überforderung zu befreien. Kurzum der Firma wieder zu mehr Dynamik zu verhelfen. Dazu hat Arnold ein Stufenmodell entwickelt und zeigt verschiedene Maßnahmen, deren Nutzen und Umsetzung er ausführlich beschreibt.

Management-Journal-Fazit: „Wir sind Chef“ regt an, liefert Ideen und stärkt Führungskräften den Rücken, sich der Herausforderung zu stellen, dem Unternehmen eine zukunftsfähige Organisation zu geben. Seinem Verfasser ist eines der wichtigsten Management-Bücher des Jahres gelungen.

Stephan Lamprecht

Hermann Arnold: Wir sind Chef, Haufe, 2016

Alle lieferbaren Ausgaben von „Wir sind Chef“ bei managementbuch.de

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