Personal agil auswählen

Nicht immer ist Agilität drin, wo auch agil drauf steht. Leider verkommt das Wort immer mehr zu einem Modebegriff. Das trifft auf dieses Buch allerdings nicht zu. Nach Ansicht von Tim Riedel ist sein Konzept der „Agilen Personalauswahl“ der richtige Ansatz, um in Zeitalter der Volatilität, Komplexität und Unsicherheit den richtigen Kandidaten für die eigenen Organisationen zu finden und dabei auch bewusst Vielfalt, neue Ideen und Lösungsansätze für das Unternehmen zu gewinnen.

Manifest für agile Personalauswahl

Auf den ersten Seiten seines Buches skizziert er zunächst die Entwicklung des Begriffs Agilität, der ursprünglich aus der Softwareentwicklung stammt, und einen Schaffensprozess beschreibt, der den Fokus auf mehr Subjektivität und Flexibilität richtet. Anhand des ursprünglichen agilen Manifests der Softwareentwicklung entwickelt der Autor sein Manifest für die Personalauswahl. Dabei erfindet er die Instrumente nicht neu. Viele Praktiker werden entdecken, dass sie bereits heute einige der geforderten Ansätze ohnehin bei der Kandidatenauswahl nutzen. Beispielsweise geht es im Kandidatengespräch darum, den Bewerber auf menschliche Ebene zu begegnen und auch innerhalb des Gespräches Freiräume zu entwickeln. Dabei soll der Kandidat ganz bewusst während des Gespräches auch eigene Ideen oder Lösungsvorschläge für Probleme des Unternehmens liefern dürfen, die dann bereits einmal diskutiert werden.

Im Fokus stehen die User Storys

Auch die agile Personalauswahl steht und fällt mit der Grundüberlegung, wer denn unter den (hoffentlich) vielen Bewerbern ausgewählt werden soll. Während die klassische Personalauswahl sich dazu beispielsweise Instrumenten wie der Stellenbeschreibung bedient, setzte die agile Personalauswahl die sogenannten User Storys in den Fokus. Dabei wird der gesuchte Kandidat unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zum Beispiel wird ein Vertriebsmitarbeiter nicht nur aus der Sicht von Vertrieb und Marketing beschrieben, sondern auch und insbesondere aus Sicht derjenigen, mit denen er zukünftig zu tun haben wird, nämlich den Kunden. Auf Basis der der User Storys wird das ein Bewerbergespräch strukturiert.

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Leitfaden für die Umsetzung

Das Buch veranschaulicht in seinen verschiedenen Teilen die Umsetzung dieses neuen Ansatzes. Nachdem der Verfasser zunächst das Modell ausführlich beschrieben hat, zeigt er im zweiten Teil dessen Anwendung. Dabei geht es dann nicht nur um das Aufsetzen der User Storys, sondern auch ganz pragmatisch um die Strukturierung des Gespräches und mit welchen Frageformen sich der notwendige Erkenntnisgewinn erreichen lässt. Tim Riedel beschreibt seinen Ansatz sehr anschaulich und nachvollziehbar. Gut gelöst ist, dass in den verschiedenen Kapiteln auch immer kurze Zusammenfassungen geliefert werden, die die Kernaussagen unterstreichen. Sehr gelungen ist außerdem der exemplarische Leitfaden für die agile Personalauswahl.

Management-Journal-Fazit: Der Autor liegt mit seinem Werk einen neuen Ansatz für die Personalauswahl in unsicheren Zeiten vor. Herausgekommen ist ein wichtiges Buch, dessen Lektüre Praktiker im Personalwesen, aber auch interessierten Führungskräften, zu empfehlen ist.

Stephan Lamprecht

Tim Riedel: Agile Personalauswahl, Haufe, 2017

Agile Personalauswahl

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        Pros

        • Neuer Ansatz
        • Arbeitshilfen
        • Exemplarischer Leitfaden

        Cons

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