Schreiben und Zeichnen am Flipchart

Eine Situation, die viele Teilnehmer von Besprechungen zur Genüge kennen. Der Vortragende geht zum Flipchart, auf dessen erster Seite noch die Zeichnung der vorangegangenen Veranstaltung zu sehen ist. Und die erinnert nicht selten eher an eine Explosion in ihrer Mischung von Pfeilen, Unterstreichungen und unleserlichen Buchstaben. Mit strukturierter Vermittlung von Informationen hat das selten zu tun. Genau dieses Thema treibt die junge Gründerin Janine Lancker um, die sich dem Design von Flipcharts und der visuellen Protokollierung widmet. Ihr Buch will gerade auch Menschen mit wenig Zeichentalent zeigen, wie optisch ansprechende Flipcharts gestaltet werden.

Flipchartdesign – Schluss mit Hieroglyphen und Strichmännchen

Es kommen nach Ansicht der Autorin mehrere Faktoren zusammen, die eine typische Flipchartzeichnung so aussehen lässt, wie sie sich in den meisten Konferenzräumen präsentiert. Einerseits werden die Plakate in ihrer Wirkung unterschätzt, zum anderen tun sich die Vortragenden schwer damit, ihre Ideen zu visualisieren. Und schließlich mangelt es schlicht an praktischer Übung, deutlich und dennoch schnell am Flipchart zu schreiben.

Das Buch beginnt zunächst mit einigen Betrachtungen über die visuelle Wirkung von Zeichnungen und deren gelungenen Aufbau. Wie verläuft der Blick des Betrachters? Welche Möglichkeiten existieren, die Wahrnehmung auf bestimmte Inhalte zu fokussieren? In einfacher Sprache liefert sie mit der Einleitung eine kurze Einführung in die visuelle Kommunikation, ohne theoretischen Ballast. Denn im Zentrum des Buchs steht das praktische Schreiben und Zeichnen.

Ein Schreib- und Zeichenkurs für jeden

Schon nach wenigen Seiten geht es auch bereits mit der Praxis los. Einfach erklärt Janine Lancker, wie der Stift richtig geführt wird, und zeigt anhand vieler Bilder und eigener Zeichnungen, wie Schrift wirkt. Mit einfachen Übungen lernt der Leser, wie er auf der großen Fläche des Flipcharts ansprechend und deutlich schreibt. Er bekommt richtig Lust darauf, die Beispiele nachzuvollziehen, so einfach und überzeugend sieht das alles aus. Am Ende des Abschnitts zum Thema Schreiben stehen dann noch einige Worte und visuelle Beispiele über das Layout eines Plakats. Wer lediglich mit Sprache und Schrift operieren will, hat somit nach knapp 80 Seiten schon viel zur Verbesserung seiner Flipcharts getan. Und könnte an dieser Stelle denn auch schon die Lektüre beenden. Allerdings verpasst er damit den Höhepunkt des Werks.

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Zeichnungen am Flipchart auch für Ungeübte

Denn auf den nächsten Seiten bietet die Verfasserin einen wirklich gut strukturierten und nachvollziehbaren Zeichenkurs für Figuren und Objekte an. Die vielen Illustrationen zeigen, aus welchen Elementen sich die verschiedenen Figuren zusammensetzen und wie Variationen und neue Bedeutungen durch das Verändern oder Hinzufügen von Kleinigkeiten gefunden werden. Wer den Übungen folgt, wird schnell Fortschritte erzielen und so schrittweise seine eigene Bildsprache entwickeln. Der Leser staunt, welche einfachen Striche hinter plastisch wirkenden Figuren stecken.

Management-Journal-Fazit: Dieses Mitmachbuch macht einfach Spaß. Schon beim ersten Durchblättern bekommt der Leser regelrecht Lust darauf, sich selbst am Flipchart auszuprobieren. Die Beispiele sind leicht nachzuvollziehen und die Übungen führen zu schnellen Erfolgen. Hoffentlich findet das Werk viele Leser, denn dann ist es mit den unleserlichen Flipcharts in Firmen bald vorbei.

Stephan Lamprecht

Janine Lancker: Flipchartdesign, Beltz, 2017.

Flipchartdesign

Flipchartdesign
100

Lesbarkeit

10/10

    Nutzwert

    10/10

      Anspruch

      10/10

        Pros

        • Leicht nachvollziehbar
        • Großer Nutzen
        • Zeichnen auch für Unbegabte

        Cons

        • Braucht Zeit, um die Beispiel nachzuvollziehen

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