Offline: Wie man sich vom Online-Zwang befreit

Viele Menschen greifen geradezu zwanghaft zum Smartphone. Vor zwei Jahren sorgte eine Umfrage für Aufsehen, nach der ein zweistelliger Prozentsatz der Befragten sogar während des Liebesspiels auf das Display schaut. „Fear of missing out” wird die Angst bezeichnet, etwas zu verpassen: Schnell einen Blick auf Twitter oder Facebook werfen, um nachzusehen, was es an Neuigkeiten gibt. So machen sich Menschen zu Sklaven der digitalen Technik. Da läuft ohne Zweifel etwas schief. Imran Rashid und Søren Kenner sehen das genauso. Mit ihrem Buch „Offline” wollen sie den Lesern die Kontrolle über das digitale Leben zurückgeben.

Keine Maschinenstürmerei

Noch vor wenigen Jahren arbeiteten sich Autoren am Thema Internet ab. Die Quintessenz besonders kritischer Werke lautete dann, dass die digitale Vernetzung uns alle dümmer mache, die Nutzung Zeitverschwendung sei und man stattdessen lieber mal zu einem Buch greifen sollte. Die Autoren solcher Titel mussten sich dann den Vorwurf gefallen lassen, dass es sich hier schlicht um eine moderne Form der Maschinenstürmerei handle.

So einfach machen es sich die beiden Verfasser von „Offline” nicht. Ihr Werk kreist um die Frage, welche Auswirkungen die intensive Nutzung des Smartphones auf unsere Persönlichkeit und unseren Geist hat. Es geht Ihnen nicht darum, alle technischen Entwicklungen zu verteufeln. Sie werfen aber einen kritischen Blick auf die Mechanismen sozialer Netzwerke wie Facebook, deren Geschäftsmodell ja gerade darauf ausgerichtet ist, die Nutzer zu verführen, möglichst viel Zeit dort zu verbringen.

Kenne Deine Schwäche

Wer sein Verhalten bewusst ändern will, muss dem berühmten inneren Schweinehund schon einige gute Argumente liefern. Und genau sammelt das Buch. Dazu werfen die Verfasser einen intensiven Blick auf Geschäftsmodelle und Tricks von App-Herstellern und sozialer Netzwerke. Sie beschreiben keine eigenen Befindlichkeiten, sondern sprechen gezielt Probleme und Auswirkungen auf die Psyche und den gesellschaftlichen Diskurs an, die sich aus der Nutzung ergeben: verkürzte Aufmerksamkeitsspannen, „Fake News” und „Framing” oder auch schwindende Fähigkeiten zur Konzentration.

Dabei liefern sie auch tiefe Einblick hinter die Kulissen, wenn sie dem Leser zeigen, wie Werbekampagnen auf Facebook gestaltet werden. Wer sich bisher wenig mit der Datensammlung der Netzwerke beschäftigt hat, dürfte erstaunt sein, was dort alles möglich ist.

Schrittweise in Richtung „Offline“

Schritt für Schritt breiten Rashid und Kenner die negativen Auswirkungen mit überzeugenden Argumenten und zahlreichen Studienergebnissen vor dem Leser aus. Von dort gelangen sie dann zu ihren umsetzbaren Strategien und Techniken sich von Zwängen und Verführung zu befreien. Dabei hilft auch die persönliche Bestandsaufnahme der eigenen Gewohnheiten in Form eines Fragebogens.

So wie ein Raucher auf dem Weg der Entwöhnung lernen muss, statt seines Rituals bewusst etwas anderes zu tun, liefert „Offline” eine Blaupause für den Weg zu mehr Selbstbestimmung bei der Nutzung von Smartphones und des Internets. Eine Anleitung auf dem Weg zum Ziel, sich wieder besser zu konzentrieren und mit anderen Dingen und Menschen zu beschäftigen.

Management-Journal-Fazit: Das Buch zeigt einen gangbaren Weg, wie der Leser wieder bewusster mit digitalen Tools und sozialen Netzwerken umgehen kann. Wer wieder fokussierter arbeiten will oder den ständigen Blick auf das Smartphone als Belastung empfindet, greife zu diesem Buch.

Stephan Lamprecht

Offline

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10

Lesbarkeit

10.0 /10

Nutzwert

10.0 /10

Anspruch

10.0 /10

Pros

  • Aktuelles Thema
  • Umsetzbar zu mehr Digital Detox

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