Managementbuch des Jahres 2012: … und mittags geh ich heim

Keine Abteilungen, flexibles Arbeiten, flache Hierarchien. Nein, wir sind nicht bei einem Berliner Hotshop (wo es oft überraschend hierarchisch zugehen soll) sondern bei einem Spezialisten für „Ladegut-Sicherung“ aus dem südbadischen Engen. Dreimal hintereinander war das Unternehmen „Top-Arbeitgeber“ und heimste nebenbei für seine Produkte zahlreiche Auszeichnungen ein. Detlef Lohmann heißt der Chef des Unternehmens, der als erste Amtshandlung das Organigramm auf den Kopf und sich ganz hinten angestellt hat. Einer seiner Jobs ist es, die Post auszutragen (um mit den Mitarbeitern im Gespräch zu bleiben). Seine wichtigste Aufgabe aber ist es, seine Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Er hat einen Kulturwandel in Gang gesetzt, der seinesgleichen sucht. Seine Erfahrungen und Methoden, seine Erfolge und Missgriffe (Lerneinheiten) beschreibt er jetzt erstmals in “ … und mittags geh ich heim“. Komplett aus der Ich-Perspektive. Ärmel hochgekrempelt, klare Worte, klare Sprache. Must-read für alle Unternehmer!

Weg mit den Abteilungen, her mit dem Erfolg

Innovative Arbeitsmethoden werden oft mit dem Verweis abgetan: „Ganz nett, aber bei uns geht das nicht.“ Detlef Lohmann tritt den Gegenbeweis an und zeigt, dass traditionelle Unternehmen keineswegs auf traditionelle Arbeitsformen festgenagelt sind. Lohmann hat zum Beispiel die Lager aufgelöst. Jetzt sieht jeder in der Produktion, wo die Engpässe liegen und wo „auf Halde“ produziert wird. Eine Maßnahme, die mit dazu beigetragen hat, dass Lohmanns Unternehmen die Lieferzeiten individueller Produktionen von mehreren Wochen auf 24 Stunden reduzieren konnte. Ein weiterer Baustein zum Unternehmenserfolg war es, die Abteilungen abzuschaffen. Heute ist das ganze Unternehmen an den Arbeitsprozessen ausgerichtet. Ergebnis: schnellerer Informationsfluss, effektiveres Arbeiten.

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Die Schuldfrage steht auf dem Index

Die größte und schwierigste Umwälzung aber war es, als Chef nicht mehr in die Bresche zu springen. Konsequent verlagert Lohmann das Lösungsdenken dahin, wo die besten Lösungen überhaupt nur herkommen können – zu denen, die das Problem bemerken und bestens kennen. Denn nur sie können wissen, was wirklich Abhilfe schafft (und nur sie müssen mit der „Lösung“ leben). Damit hat der Unternehmer Lohmann ein Arbeitsklima geschaffen, in dem Eigenverantwortlichkeit groß geschrieben wird. So kleben zum Beispiel an allen Produktionsmaschinen gut sichtbare Zettel, auf denen die Fehler im Umgang mit der Maschine während der letzten Jahre (!) beschrieben sind. Ohne Namen, aber mit Datum und mit genauem Hergang. So wissen bei Schicht- und Personalwechseln alle, auf was sie besonders achten müssen. Auch ein Ergebnis einer produktiven Fehlerkultur. „Schuldige“ sucht man hier vergeblich.

Ein Buch voller überraschender Lösungen

Roter-Reiter.de – Fazit: „… und mittags geh ich heim“ ist weder Strategiebuch noch Managementlehre. Es sind vielmehr die aus persönlicher Perspektive geschriebenen Erfahrungen und Überlegungen des Unternehmers Detlef Lohmann. Und das macht das Buch so wertvoll. Denn Lohmann trifft genau die Befindlichkeit von Unternehmern, die alle tagtäglich vor den genau gleichen Fragen stehen: „Wie schaffe ich es, dass die Mitarbeiter Verantwortung für ihr Handeln übernehmen?“ Wie verhindere ich lähmende Bürokratisierung in den Abläufen?“ „Wie kann ich mein Unternehmen produktiv(er) machen.“ Von der Pflicht zur Weiterbildung, vom Ignorieren unpassender Zertifizierungen, vom Umgang mit unternehmensbedrohlichen Situationen. Lohmann suchte und sucht auf unternehmerische Herausforderungen immer die beste Lösung. Nie die naheliegende oder vermeintlich bewährte. Auch für ihn persönlich zahlt sich das aus. Denn ab und zu geht er „mittags einfach heim.“

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Wolfgang Hanfstein, www.Roter-Reiter.de

 

Detlef Lohmann: „… und mittags geh ich heim“. Linde 2012

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