Direkt von den Bewerbern lernen – Candidate Experience im Recruiting-Prozess

Candidate ExperienceAn Ratgebern und Monographien zum Recruiting und Bewerbermanagement in Personalabteilungen herrscht nun wahrlich kein Mangel. Viele dieser Werke sind in erster Linie von Praktikern für Praktiker geschrieben und liefern eine Menge an Tipps und Hinweisen, mit dem Ziel, die Bewerberauswahl und das Bewerbermanagement zu optimieren. Ohne Zweifel liefern diese Bücher viele konkrete Hinweise und jede Menge Stoff, um die Abläufe in Human Resources zu perfektionieren. Nur diejenigen, um die es in erster Linie gehen sollte, die Kandidaten auf vakante Positionen, besitzen in der Fachliteratur keine Stimme. Und genau das ändern Maïté und Robindro Ullah in ihrem Buch “Erfolgsfaktor Candidate Experience”.

Ein echter Wechsel der Perspektive

Die im praktischen Recruiting sehr erfahrenen Autoren haben nicht einen weiteren Ratgeber geschrieben, der sich von Fachleuten an andere Fachleute mit (mehr oder weniger) theoretischen Erkenntnissen wendet. Im Zentrum ihres Buches stehen zehn verschiedene Interviews mit Bewerbern um unterschiedlichste Positionen in verschiedenen Branchen. Und was die Gesprächspartner hier zu berichten wissen, liest sich teilweise haarsträubend. Sicher, auch die Mitarbeiter in Human Resources können einmal einen schlechten Tag haben, aber eine Absage mit “es gibt für Sie in keinster Weise Verwendung” ist alles andere als professionell und führt keinesfalls dazu, dass der Kandidat in Zukunft gut über das Unternehmen sprechen wird. Und dies trifft auch für Bewerber zu, die den Eindruck gewonnen haben, dass der Mitarbeiter der Personalabteilung erst während des Gesprächs den Lebenslauf seines Gegenübers studiert. Es sind einfach handwerkliche Schnitzer, die von den Kandidaten berichtet werden und von denen eigentlich anzunehmen wäre, dass diese nicht mehr vorkommen sollten.

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Kein erhobener Zeigefinger – sondern Hinweise für die Praxis

Es ist das Verdienst der Autoren, mit ihren Interviews einen (ungeschönten) Blick hinter die Kulissen von Bewerberverfahren geworfen zu haben. Wenngleich dieser Blick nicht repräsentativ sein mag, was er denn auch gar nicht sein wollte. Jede der Schilderungen wird ausführlich analysiert und im Sinne eines Coachings nicht nur erklärt, was dort nun im Einzelfall schief gelaufen ist, sondern das Verbesserungspotential daraus abgeleitet. Zugleich bieten die Verfasser den Personalverantwortlichen in Unternehmen immer wieder die Chance, das eigene Tun und die Prozesse einem kritischen Blick zu unterwerfen. Denn wie die verschiedenen Interviews zeigen, gibt es nicht “den einen großen” Fehler, sondern viele kleine Dinge, die nicht getan oder falsch in Angriff genommen wurden. Jedes Interview dient als ein konkretes Fallbeispiel, anhand dessen Do’s und Don’ts abgeleitet werden. Diese werden als Liste am Ende des Buches noch einmal in Form einer Gesamtanalyse zusammengetragen. So wird aus den Beschreibungen ein kleines Nachschlagewerk, anhand dessen immer mal wieder die Prozesse im Human Resources überprüft werden können.

Management-Journal-Fazit: Den beiden Autoren ist ein lesenswertes Buch gelungen, das sein Versprechen, nämlich einen Wechsel der Perspektive im Recruiting, einlöst. Gelegentlich ist der sprachliche Stil etwas langatmig, hier würde sich der Leser wünschen, wenn etwas schneller auf den Punkt gekommen würde. Das tut aber der Wichtigkeit des Anliegens keinen Abbruch, denn nach Kunden und Lieferanten sollten sich Unternehmen unbedingt auch damit beschäftigen, wie die persönlichen Erfahrungen von Bewerbern aussehen.

Stephan Lamprecht

Maïté Ullah, Robrindro Ulla: Erfolgsfaktor Candidate Experience, Schäffer Poeschel 2015

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