Die richtigen Mitarbeiter finden – mit Employer Clienting

Seine neue Idee des „Employer Clienting“ stellt Edgar Geffroy, der als Sachbuchautor kein Unbekannter ist, in seinem aktuellen Buch vor. Der Unternehmensberater hat mit seinem Clienting-Konzept in den 90er Jahren für Aufsehen gesorgt, als er mehr Kundenorientierung in den Unternehmen einforderte, und dies auch in seiner Beratungspraxis umsetzte. Nun wendet er sich der Rekrutierung und Personalführung in (mittelständischen) Unternehmen zu.

Nasenfaktor und Ausbildungswege sind überschätzt

„In der neuen Wirtschaft wird der Mitarbeiter zum zentralen Erfolgsfaktor“. Dieser Satz ist eine der Grundideen des Buchs. Auf den ersten Seiten erfährt der Leser, was nach Ansicht der Verfasser in der heutigen Mitarbeiterauswahl falsch läuft. Das seit Jahrzehnten gleiche Prozedere wird pointiert kritisch beleuchtet. Dem zufolge sagen Ausbildungswege aufgrund ihrer Normierung wenig aus. Ein gewichtiges Argument, denn schließlich müssen alle Absolventen den gleichen Stoff lernen. Hier gut abgeschnitten zu haben, bedeutet eben gerade nicht, dass der richtige Mitarbeiter auf der richtigen Position eingesetzt wird. Und auch der rätselhafte Nasenfaktor, der bei der Wahl eines Bewerbers nicht selten den Ausschlag gibt, führt in der Regel dazu, dass eine Führungskraft sich für einen Kandidaten entscheidet, der ihm sympathisch ist. Und das ist im Zweifel eine Person, die ihm ähnlich ist. Doch die Herausforderungen an Unternehmen sowie der Wandel verlangen nicht eben gerade oft Mitarbeiter, die widersprechen.

Mitarbeiter motivieren, binden und an der richtigen Stelle einsetzen

Nun geht es ja nicht nur darum, qualifiziertes Personal zu finden, sondern es muss auch gehalten werden und dabei motiviert bleiben. Das bedingt, dass ein Mitarbeiter an der Stelle eingesetzt wird, an der er seine Stärken nutzen und zeigen kann. Wie entdeckt man als Führungskraft diese Stärken? Lassen sich Mitarbeiter klassifizieren, um harmonisierende Teams leichter zusammenstellen zu können? Das zweite Kapitel bildet eine wichtige Grundlage für das weitere Verständnis des Buchs. Denn hier wird das Vierfarbenmodell eingeführt, auf das im weiteren Verlauf immer mal wieder eingegangen wird. Diese vier Farben können auf acht typische Rollen heruntergebrochen werden. Und gerade diese Rollenverteilung hat Einfluss auf die Zusammenarbeit in Teams. Die Unterscheidungen an und für sich arbeiten nicht mit Kategorien wie „Richtig“ oder „Falsch“. Die Typologie öffnet dem Leser die Augen, für welche Aufgabenstellung eine Person möglicherweise besser geeignet wäre. Die richtige Mischung macht es eben.

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Employer Clienting: Unternehmen müssen um Mitarbeiter werben

Gerade weil sich die Wirtschaft weltweit unter dem Druck der Digitalisierung wandelt, müssen Unternehmen heute um Personal werben. Denn die Mitarbeiter werden sich ihrer Stärke zunehmend bewusst, die Ansprüche der Generation Y sind ein Beispiel dafür. Und hier kommt das „Employer Clienting“ ins Spiel. Im Mittelpunkt steht die Suche nach dem besten Personal und der Weiterbildung nach dessen Stärken. Die Firma muss für den Mitarbeiter interessant bleiben, um zu verhindern, dass er sich einem anderen Arbeitgeber zuwendet. Dazu bedingt es Anerkennung und Empathie. Den Weg dorthin, zeigt das verständlich geschriebene Buch, das mit vielen Beispielen arbeitet und wichtige Kernbotschaften optisch heraushebt.

Management-Journal-Fazit: Das Buch aus dem Gabal-Verlag ist ein wichtiger Impulsgeber. Natürlich genügt es nicht allein, das Buch zu lesen, um ein Unternehmen umzukrempeln. Aber die Beispiele sind konkret genug, um bei Recruiting und Personalentwicklung neue und zukunftsorientierte Wege beschreiten zu können.

Stephan Lamprecht

Edgar Geffroy, Barbara Geffroy: Die neue Macht der Mitarbeiter, Gabal, 2017.

Die neue Macht der Mitarbeiter

Die neue Macht der Mitarbeiter
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Lesbarkeit

10/10

    Nutzwert

    9/10

      Anspruch

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        Pros

        • Verständlich
        • Nachvollziehbar
        • Anregend

        Cons

        • Vierfarbmodell kann auch kontrovers gesehen werden
        • Gelegentlich steht das Verkaufen der eigenen Dienstleistung zu stark im Vordergrund
        • Könnte gern etwas konkreter werden

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