So tickt das Silicon-Valley

Mögen Sie “Home Stories”? Oder gehören Sie zu den regelmäßigen Lesern des Tech-Blogs “Techcrunch”? Dann werden Sie das Buch von Alexandra Wolfe auf jeden Fall lieben! Die Reporterin des “Wall Street Journal” nimmt in ihrem Buch die Leser mit auf eine Reise durch das “Tal der Götter”. Und dabei lernen Sie viel über den Lebensstil der Menschen, die im Silicon-Valley leben und arbeiten.

Von Asperger, Alphamädchen und Pivots

Die Autorin gestattet einen Blick hinter die Kulissen des Valleys. So begegnen die Leser zum Beispiel John Burnham, der sich auf ein Stipendium von Peter Thiel, Milliardär und Tech-Legende, bewarb und angenommen wurde. Die Vision des jungen Mannes ist die Gewinnung von seltenen Metallen, die für die Industrie wichtige Bedeutung haben. Davon gibt es reichlich im Erdkern, aber da kommt man nur schwer ran. Deswegen will er die Erze im Weltraum gewinnen. Burnham leidet am Asperger-Syndrom. Das ist aber im Valley kein Hinderungsgrund, um Karriere zu machen. Ganz im Gegenteil. Wie der Leser nebenbei erfährt, werden bei der Einstellung nicht selten Kandidaten mit einer Sprachstörung eingestellt. Sie gelten als motivierter. Nur nicht zu alt dürfen sie sein.

Jeder bemüht sich im Valley, möglichst jung auszusehen und jung zu bleiben. Besondere Ernährung und viel Sport sollen dabei helfen. Frauen sind in Silikon Valley natürlich auch beschäftigt, spielen aber in Führungspositionen selten und auch im Buch eine eher kleinere Rolle. Was bei einem Werk einer Frau dann doch bemerkenswert ist. John Burnham schließlich stellt fest, dass es seine Idee bereits gibt. Andere Unternehmen arbeiten ebenfalls bereits daran. Deswegen macht er das, was dort gern als Pivot bezeichnet wird. Man dreht sein Geschäftsmodell in eine andere Richtung. Doch auch mit dieser Idee kommt der Protagonist nicht weiter. Das ist aber nicht weiter schlimm. Denn im Valley gehört auch das Scheitern dazu und hinterlässt (zunächst) keine Dellen im Lebenslauf. Doch bis es soweit, zeigt uns Wolfe neue Formen des Zusammenlebens. Der weitaus größere Teil der Bewohner lebt dort in einer Art permanenter College-Atmosphäre. Während die, dies es zu Millionen oder Milliarden Dollar gebracht haben, ihr Geld in Projekte stecken, die nichts weniger zum Ziel haben, als das Altern und damit final eigentlich das Sterben zu besiegen.

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Nah dran am Geschehen

Trotz aller intimen Einblicke in einen, doch eher sehr oberflächlich scheinenden Lebensstil, hätte dem Buch sicherlich nicht etwas mehr kritische Distanz geschadet. Dies beginnt mit dem Initiator des Stipendiums, Peter Thiel. Der ohne Zweifel seine Verdienste mit der Gründung von Paypal hat. Dessen politische Ansichten zumindest nicht ganz unumstritten sind. Und von den negativen Begleiterscheinungen des Valleys erfährt der Leser wenig. Oder eben nur zwischen den Zeilen. Die jungen Leute leben unter anderem auch deswegen in Wohngemeinschaften, weil sie schlicht nicht genug verdienen, um die astronomischen Mieten und Lebenshaltungskosten im Valley tragen zu können. Kein Wort erfährt der Leser über die, die einfach zu alt sind, um noch weiter Jobs in den vom Jugendlichkeitswahn beseelten Technikunternehmen zu finden. Für die Stipendiaten, die sie warmherzig beschreibt, war es noch nicht zu spät. Sie gehen einfach an ihr College zurück.

Management-Journal-Fazit: Endlich ein Buch über das Silicon-Valley, das diesen besonderen Landstrich nicht permanent zum Vorbild für die deutsche Wirtschaft erhebt. Stattdessen eine glaubwürdige Schilderung der dortigen Lebenswelt.

Stephan Lamprecht

Alexandra Wolfe: Das Tal der Götter, Plassen, 2017

Das Tal der Götter

Das Tal der Götter
10

Lesbarkeit

10/10

Nutzwert

10/10

Anspruch

10/10

Pros

  • Gut geschrieben
  • Authentische Schilderung
  • Nah dran

Cons

  • Es fehlt gelegentlich etwas kritische Distanz

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