Nur Nichtstun ist tödlich – Praxishandbuch Industrie 4.0

Mit fast 900 (!) Seiten ist dieses Buch ein Schwergewicht. Und das nicht nur im übertragenen Sinn. Kai Lucks ist als Herausgeber mit nicht weniger als dem Anspruch angetreten, ein umfassendes Praxishandbuch zur Industrie 4.0 vorzulegen.

Begriffsdefinition und Standortbestimmung

Chinas Agenda 2025, das Internet of Things, Big Data oder die in Deutschland so viel beschworene Digitalisierung – unterschiedlichste Begriffe und Sichtweisen auf eine der größten wirtschaftlich-sozialen Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit. Leben und Wirtschaft verändern sich und an die Stelle der noch aus der zweiten und dritten industriellen Revolution erwachsenen Grundlagen tritt die Industrie 4.0, bei der es in erster Linie um das Anbieten von Lösungen und die Produktion in smarten Fabriken geht. Der erste Teil des umfangreichen Werks leistet zunächst eine Einordnung der aktuellen Entwicklungen in den (geschichtlichen) Kontext und liefert die Sichtweisen aus anderen Regionen der Erde auf das gleiche Thema.

Wer sind die Treiber, wer sind die Player?

Welche Trends und Entwicklungen lassen sich derzeit ausmachen? Was sind die (globalen) Treiber einer Industrie 4.0? Nach der Einführung zeigen die Autoren des zweiten Teils, wie unterschiedlichste Erscheinungen in einander greifen und wie sich Branchen bereits zu verändern beginnen. Dieser Teil erläutert vielfach auch Begriffe, die der eine oder andere vielleicht nur als reines Buzzword aus den Medien kennt. Die Autoren kommen in vielen Beiträgen auf eine brennende Frage zurück, auf die sie auch jeweils aus ihrer Perspektive eine Antwort geben. Wie kann in einer solchen massiven Umwälzung noch solide geplant werden? Wie lassen sich eigene Strategien entwickeln?

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Industrie 4.0 – Beispiele aus allen Branchen

Disruption oder Evolution – beides kann für ein Unternehmen der richtige Weg sein, um in Zukunft auf globalen Märkten bestehen zu können. Um aber eine Richtung einschlagen zu können, bedarf es intensiven Nachdenkens. Und dafür bieten die Autoren dieses Werks reichlich Impulse und Gelegenheit. Der vierte Teil lässt Praktiker aus Unternehmen und erfahrene Berater zu Wort kommen. Es liegen Aufsätze und Berichte aus allen relevanten Branchen vor: Automobilindustrie und Zulieferer, Banken und FinTech, Biotechnologie, Chemie und Pharmaindustrie, Dienstleister, Elektro bis hin zu Kommunikation und Medien, aber auch Stahl- und Lebensmittelindustrie. So findet der Leser unmittelbare Erfahrungsschätze aus der eigenen Branche vor. Es bieten sich ihm aber auch reichlich Möglichkeiten, über den sprichwörtlichen Tellerrand hinauszuschauen.

Bei einem so umfangreichen Werk und dermaßen vielen Autoren können nicht alle Beiträge die gleiche Qualität haben. Und während der eine Verfasser lediglich seine Powerpoint-Folien referenziert, bietet ein anderer umfangreiche theoretische Abhandlungen seines Fachgebiets. Lesenswert sind die Artikel aber so oder so.

Management-Journal-Fazit: Das von Kai Lucks vorgelegte Buch zur Industrie 4.0 dürfte die umfassendste Würdigung der aktuellen wirtschaftlich-technologischen Bewegung sein, die derzeit zu erhalten ist. Insbesondere die vielen Einblicke in unterschiedlichste Unternehmen und deren Ansätze, den Wandel zu gestalten, machen das Buch zu einer wahren Fundgrube für die Management-Praxis.

Stephan Lamprecht

Kai Lucks (Hrsg): Praxishandbuch Industrie 4.0, Schäffer Poeschel, 2017.

Praxishandbuch 4.0

Praxishandbuch 4.0
10

Lesbarkeit

10/10

Nutzwert

10/10

Anspruch

10/10

Pros

  • Tiefgreifend
  • Viele Perspektiven
  • Für jede Branche

Cons

  • Naturgemäß nicht alle Beiträge auf gleichem Niveau
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