Betriebliche Weiterbildung neu denken

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Art, in der Unternehmen produzieren und existieren. Sie verändert auch massiv die Art, wie sich Mitarbeiter qualifizieren müssen, um die Unternehmensziele erreichen zu können. „Kompetenzentwicklung im Netz“ ist ein fast 700 Seiten starkes Kompendium, das die wichtigsten Entwicklungslinien zu diesem Ziel aufzeigt. Als Herausgeber zeichnen mit John Erpenbeck und Werner Sauter zwei Experten, die seit Jahren für eine Neubewertung und vor allem Neugestaltung des „Corporate Learning“ einstehen.

Kurze Entwarnung für zeitgeplagte HR-Experten und Personalentwickler: Sie müssen keine 700 Seiten durchackern, sondern können sich gleich auf das Kapitel „Lernen im Unternehmen“ stürzen. Das macht etwa ein Drittel des Buches aus. Die anderen Teile widmen sich den Bereichen „Schule“ und Hochschule“. Auch hier gibt es für Praktiker Wichtiges zu lernen, etwa wenn Thomas Schmid über den Zusammenhang von Emotion und Lernen bei Schülern schreibt und den Schülern nebenbei mehr zutraut, als so mancher, der in den Feuilletons die Angst vorm Digitalen schürt. Personaler werden nochmal klarer sehen, wieviel „digitale Kompetenz“ die Mitarbeiter von morgen mitbringen und im Gegenzug von Unternehmen auch erwarten.

Es ist ein großes Verdienst der Herausgeber und Ergebnis von deren jahrelanger Vernetzungsarbeit, dass sie für das Kapitel „Lernen im Unternehmen“ hervorragende Autoren gewinnen konnten. Es sind zumeist Praktiker, die in Unternehmen von SAP bis Deutsche Bahn zeigen, was heute möglich ist. Thomas Jenewein von SAP schreibt kenntnisreich über die „Herausforderungen für das Arbeiten und Lernen in der Zukunft“ und dass die Debatte eben nicht bei einigen Stereotypen über die „Millennials“ endet, sondern da anfängt, wo es um Inklusion, Transparenz und letztlich um den Wandel von einer „Lernkultur“ hin zu einer „Firmenkultur“ geht.

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Ganz konkret auf die Entwicklungsfelder der inner- und übertrieblichen Bildungsanbieter gehen die Autoren um Sabine Seufert und Christoph Meier vom SCIL in St. Gallen ein. Sie geben denen, die sich nach Ulreich als „Business Partner“ verstehen, eine komplettes Modell zur Neuausrichtung der Mitarbeiterentwicklung an die Hand, das schrittweise vom formellen Lernen zum informellen Lernen führt. Wertvolle Einsichten aus der Praxis liefern Andreas Eckelt und Carlo Matthias Enk. Beide haben mit den Projekten „Next Education“ und „New Learning Lab“ der Deutschen Bahn die Fühler in die nahe Zukunft ausgestreckt. Und sie zeigen nebenher, dass „Change“ auch in einem Unternehmen mit über 300.000 Mitarbeitern möglich ist.

Management-Journal-Fazit: „Kompetenzentwicklung im Netz“ ist ein Thema, das natürlich auch im Netz intensiv bearbeitet wird. Die Leistung der Herausgeber besteht darin, Personalentwicklern die aktuellsten Strömungen und Denkrichtungen zu präsentieren. Es ist ein ideales Buch für alle, die sich mit der Zukunft der betrieblichen Weiterbildung befassen – und nicht die Zeit haben, an den laufenden Debatten über Corporate Learning im Netz teilzunehmen.

Wolfgang Hanfstein, www.Management-Journal.de

Kompetenzentwicklung im Netz . Schäffer Poeschel Verlag

Kompetenzentwicklung im Netz

Kompetenzentwicklung im Netz
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        Pros

        • Facettenreich
        • Aktueller Stand der Entwicklung und Diskussion

        Cons

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