Klarheit im kalten Wasser

Wer als Kommunikationsdirektorin beim Deutschen Fußball-Bund anfängt und sechs Tage später eine Razzia mit zweihundert Beamten erlebt, lernt schnell, was „kaltes Wasser“ ist. Mirjam Berle hat aus dieser DFB-Episode und weiteren beruflichen Brüchen die C.O.L.D.-Water-Methode entwickelt, die sie nun in ihrem ersten Buch vorstellt. Das Akronym steht für vier Schritte: Consequence (Was ist das Schlimmste, das passieren kann?), Outcome (Welches Ziel ist erstrebenswert?), Leverage (Welche eigenen Ressourcen stehen zur Verfügung?) und Doing (Welcher kleinste machbare Schritt ist jetzt möglich?).

Eine Methode, die in der Anwendung trägt

Berles Stärke liegt darin, dass sie nicht beim Modell stehen bleibt. Die vier Phasen werden konsequent an Fallbeispielen durchgespielt, von der Führungskraft ohne Antworten über das kollabierende Geschäftsmodell bis zur existenziellen Diagnose. Forschung aus Neuropsychologie, Verhaltenstherapie und positiver Psychologie liefert das theoretische Fundament, ohne dass der Text in akademisches Vokabular verfällt. Die zentrale Metapher trägt durch das Buch: Man kann nicht verhindern, ins kalte Wasser zu fallen, aber man kann lernen, sich darin zu bewegen.

Was das Buch leistet – und was nicht

Bemerkenswert ist, was Berle gerade nicht verspricht. Die Methode ersetzt keine Therapie, löst keine systemischen Blockaden, garantiert keine perfekten Lösungen. Sie stärkt individuelle Handlungsfähigkeit – und genau hier liegt zugleich ihre Grenze. In Organisationen mit starren Machtstrukturen bleibt ihr Einfluss begrenzt; die Frage, wie sich persönliche Klarheit und strukturelle Veränderung verbinden lassen, bleibt offen. Auch wer das Buch liest, wird einzelne Bausteine wiedererkennen: den Denkraum zwischen Reiz und Reaktion, die bewusste Auseinandersetzung mit dem Worst Case, die Arbeit am kleinsten nächsten Schritt. Berles Leistung besteht weniger in der Erfindung neuer Werkzeuge als in der Konsequenz, mit der sie eine pragmatische Reihenfolge daraus baut.

Geschrieben ist „Klarheit“ in einem unaufgeregten, anwendungsorientierten Ton. Wer einen weiteren großen Selbstoptimierungsentwurf erwartet, wird enttäuscht; wer eine handhabbare Struktur für unsichere Phasen sucht, findet sie.

Management-Journal-Fazit: „Klarheit“ ist kein Buch der großen Versprechen, sondern eines der praktikablen Schritte. Mirjam Berle liefert mit der C.O.L.D.-Water-Methode ein Instrument, das gerade durch seine Bescheidenheit überzeugt: vier Phasen, klar strukturiert, an Praxisbeispielen erprobt und mit psychologischer Forschung unterfüttert. Für Führungskräfte, die in Phasen von Restrukturierung, Transformation oder akuter Krise nicht nur entscheiden, sondern auch handlungsfähig bleiben müssen, ist das Buch eine lohnende Lektüre. Empfehlenswert.

Stephan Lamprecht

  • Lesbarkeit
  • Nutzwert
  • Anspruch
5

Fazit

„Klarheit“ ist kein Buch der großen Versprechen, sondern eines der praktikablen Schritte. Mirjam Berle liefert mit der C.O.L.D.-Water-Methode ein Instrument, das gerade durch seine Bescheidenheit überzeugt: vier Phasen, klar strukturiert, an Praxisbeispielen erprobt und mit psychologischer Forschung unterfüttert. Für Führungskräfte, die in Phasen von Restrukturierung, Transformation oder akuter Krise nicht nur entscheiden, sondern auch handlungsfähig bleiben müssen, ist das Buch eine lohnende Lektüre. Empfehlenswert.

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