Mehr Nutzen als Last: Bernhard Lorentz über die «Grüne KI»

Dass künstliche Intelligenz das Leben aller verändert hat und weiter verändern wird, bezweifelt kaum noch jemand. Eine Technologie dieser Tragweite stößt allerdings auch auf Widerspruch. Kritische Stimmen zweifeln an den hohen Börsenbewertungen der KI-Unternehmen und werfen ethische Fragen auf. Ein Einwand wiegt dabei besonders schwer: Die Rechenzentren, auf denen KI-Anwendungen laufen, verbrauchen enorme Mengen Strom und Wasser. Regelmäßig erscheinen Studien, die vorrechnen, wie viele Ressourcen Bau und Betrieb dieser Rechenzentren beanspruchen und was die Technologie damit tatsächlich kostet.

Hier setzt Bernhard Lorentz mit seinem Buch «Grüne KI» an. Der Wirtschaftshistoriker beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Klimapolitik und der Frage, wie die Industrie ihren CO2-Ausstoß senken kann. Er berät Unternehmen und Politik, lehrt und publiziert regelmäßig zu diesen Themen.

Mythen und Zahlen

Im ersten Kapitel stellt sich Lorentz der Kritik, hält viele der Einwände allerdings für Mythen. Er rechnet vor, dass KI bei Weitem nicht so viele Ressourcen verbraucht, wie oft behauptet wird. Ob seine Zahlen oder die der Gegenseite näher an der Wirklichkeit liegen, können Lesende kaum abschließend beurteilen. Für den Autor zählt ohnehin ein anderer Punkt: Dem Verbrauch steht ein erheblicher Nutzen gegenüber, gerade für den Umbau hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Und dieser Nutzen kommt aus seiner Sicht in der Debatte zu kurz.

Praxis statt Gedankenspiele

Deshalb widmet Lorentz ihm das zweite Kapitel, das mit Abstand umfangreichste des Buches. Er stellt erprobte Projekte vor, in denen KI hilft, sparsamer mit Ressourcen umzugehen und weniger Treibhausgase auszustoßen. So senkt KI etwa den Energieverbrauch in Wohngebäuden, lässt Windkraftanlagen effizienter laufen oder hilft, mit digitalen Zwillingen Infrastruktur besser zu planen. Die Stärke dieses Kapitels liegt darin, dass die Beispiele keine Gedankenspiele sind: Lorentz bezieht sich durchweg auf Technologien, die heute bereits im Einsatz sind.

Bilanz, Aufgaben und Forderungen

Anschließend zieht der Autor Bilanz: Was ist beim Klimaschutz bereits gelungen, und was haben Wirtschaft und Politik versäumt? Dabei richtet er den Blick auch nach China, das er inzwischen als Vorreiter auf dem Weg zur Klimaneutralität sieht. Aus dieser Bestandsaufnahme leitet Lorentz vier Aufgaben ab, die Wirtschaft und Politik aus seiner Sicht angehen müssen, um die Klimaziele zu erreichen: CO2 abscheiden, Wasserstoff als klimaneutralen Energieträger etablieren, Energie effizienter nutzen und die erneuerbaren Energien weiter ausbauen.

Im fünften Kapitel führt er seine Beobachtungen, die Bestandsaufnahme und diese Aufgaben zusammen. Daraus formuliert Lorentz Empfehlungen an die Politik, vor allem dazu, wie sie KI gezielt für den Klimaschutz einsetzen kann.

Management-Journal-Fazit: «Grüne KI» ist ein lesenswerter Beitrag zur Debatte darüber, was künstliche Intelligenz die Umwelt kostet und was sie dem Klimaschutz bringt. Wer die Diskussion bislang vor allem über Verbrauchszahlen verfolgt hat, lernt hier die andere Seite der Rechnung kennen, belegt mit Beispielen aus der Praxis. Und nicht zuletzt macht das Buch Mut.

Stephan Lamprecht

  • Lesbarkeit
  • Nutzwert
  • Anspruch
5

Fazit

«Grüne KI» ist ein lesenswerter Beitrag zur Debatte darüber, was künstliche Intelligenz die Umwelt kostet und was sie dem Klimaschutz bringt. Wer die Diskussion bislang vor allem über Verbrauchszahlen verfolgt hat, lernt hier die andere Seite der Rechnung kennen, belegt mit Beispielen aus der Praxis. Und nicht zuletzt macht das Buch Mut.

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