Der Buchhandel ertrinkt in KI-Titeln. Wer die entsprechenden Regale abschreitet, findet Ratgeber für Marketingfachleute, Juristen, Ärzte, Lehrkräfte – für jede Berufsgruppe mindestens einen, der KI-Kompetenz verspricht. Täglich kommen neue Schlagzeilen hinzu: KI macht diesen Job überflüssig, KI schlägt Expertinnen und Experten auf ihrem ureigenen Terrain. Dazwischen warnen kritische Stimmen vor Risiken, Datenschutzproblemen und algorithmischer Diskriminierung.
Doch eine Frage bleibt in dieser Kakofonie meist unbeantwortet: Wie fange ich an? An meinem Schreibtisch, in meinem Team, in meinem Unternehmen?
Mutmachen statt Mahnfinger
Genau hier setzen Philipp Depiereux und Friedrich Arnold an. Depiereux gründete die Digitalberatung etventure und lebt heute in Kalifornien. Arnold leitet die HÖRMANN Digital GmbH und deren firmeneigenes KI-Kompetenzzentrum. Beide bringen Erfahrung aus Dutzenden Transformationsprojekten mit. Ihr Buch verstehen sie als Mutmachbuch – und das ist wörtlich gemeint.
Zunächst liefern die Autoren eine kompakte Einführung in die KI-Entwicklung der vergangenen Jahre, bevor sie sich dem zentralen Anliegen widmen: der deutschen Angstkultur gegenüber Veränderungen. Warum richtet sich der Blick reflexartig auf Risiken statt auf Chancen? Warum fällt es Führungskräften so schwer, wieder Anfänger zu sein? Als ehemaliger Weltmarktführer tue sich Deutschland mit diesem Rollenwechsel besonders schwer – die Devise laute zu oft: Perfektion statt Ausprobieren, Absicherung statt Tempo. Gegen dieses Muster schreiben die Autoren konsequent an.
Problem first – nicht Tool first
Der stärkste Teil des Buches widmet sich der Frage, wie sich konkrete KI-Projekte im eigenen Unternehmen aufsetzen lassen, ohne an einer zu groß geratenen Initiative zu scheitern. Der entscheidende Denkansatz der Autoren: nicht fragen, was KI alles kann, sondern von einem konkreten betrieblichen Problem ausgehen und prüfen, ob und wie KI dort helfen kann. Bereits ein erster Prototyp liefert wertvolle Erkenntnisse – für das Projekt und für die gesamte Organisation. Ein knapper, direkt an die Lesenden gerichteter Fahrplan hilft dabei, ein solches Vorhaben Schritt für Schritt aufzusetzen.
Neben diesen methodischen Hinweisen sind es die Erfahrungsberichte aus mittelständischen Unternehmen, die das Buch nützlich machen. Etwa die Geschichte eines Sanitätshauses, das mitten in der Coronakrise gegründet wurde und von Anfang an auf KI setzte – und sich zur Erfolgsgeschichte entwickelte. Solche Beispiele erden das Buch und zeigen: KI-Transformation ist keine Angelegenheit für DAX-Konzerne mit üppigen IT-Budgets.
Mut mit Augenmaß
Obschon es um Tempo geht, haben die Autoren die Risiken nicht vergessen. Kompakte Erläuterungen und ein Glossar vermitteln Basiswissen zu Datenschutz, Datensicherheit, fehlerhaften Ergebnissen und systematischer Diskriminierung durch KI-Systeme. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Technologien, sondern vor allem die Menschen – denn Transformation gelinge nur gemeinsam, mit einer Kultur, die Fehler erlaubt, Neugier belohnt und Lernen in den Vordergrund stellt. Das ist keine Verharmlosung, sondern ein realistisches Bild davon, was mutige Experimente von blindem Aktionismus unterscheidet.
Management-Journal-Fazit: «Mut zur KI» ist kein erschöpfendes Kompendium und will es auch gar nicht sein. Es ist ein flott und verständlich geschriebener Ratgeber, der genau das hält, was sein Titel verspricht: Er macht Mut. Wer in der täglichen KI-Nachrichtenflut den Überblick verloren hat und nicht weiß, wo er anfangen soll, findet hier einen pragmatischen Einstieg mit konkreten Methoden und Praxisbeispielen. Eine klare Kaufempfehlung – vor allem für Führungskräfte im Mittelstand, die längst wissen, dass sie handeln müssen, aber noch nicht wissen, wie.
Stephan Lamprecht
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Lesbarkeit
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Nutzwert
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Anspruch
Fazit
«Mut zur KI» ist kein erschöpfendes Kompendium und will es auch gar nicht sein. Es ist ein flott und verständlich geschriebener Ratgeber, der genau das hält, was sein Titel verspricht: Er macht Mut. Wer in der täglichen KI-Nachrichtenflut den Überblick verloren hat und nicht weiß, wo er anfangen soll, findet hier einen pragmatischen Einstieg mit konkreten Methoden und Praxisbeispielen. Eine klare Kaufempfehlung – vor allem für Führungskräfte im Mittelstand, die längst wissen, dass sie handeln müssen, aber noch nicht wissen, wie.
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