Wir sehen nur, was wir glauben

Kaum ein Business-Seminar kommt noch ohne das „Gorilla-Video“ aus. Zu sehen sind zwei Mannschaften, die sich auf engem Raum einen Ball zuwerfen. Das Publikum wird aufgefordert, die Ballkontakte des Teams in den weißen T-Shirts zu zählen. Nach einer knappen Minute ist der Spaß vorbei und die Antworten des Publikums lauten je nach Aufmerksamkeit 34 oder 35 Ballkontakte. Der Witz an der Sache: Aufgrund der Konzentration auf das Zählen bekommt kaum jemand mit, dass mitten im Video ein Typ im Gorilla-Kostüm herumspaziert, sich auf die Brust trommelt und wieder geht (das Video gibt’s hier: www.theinvisiblegorilla.com).

Ein Experiment geht um die Welt

Vor über zwölf Jahren haben die beiden Harvard Psychologen Christopher Chabris und Daniel Simons dieses Experiment durchgeführt. Erst durch die gewaltige Resonanz, die diese Arbeit erfahren hat, ist den Wissenschaftlern langsam klar geworden, dass sie auf ein „grundlegendes Funktionsprinzip“ des menschlichen Geistes gestoßen sind. Kein schmeichelhaftes, allerdings. Denn durch ihr Experiment haben sie bewiesen, dass es mit unserer Wahrnehmungsfähigkeit nicht so weit her sein kann, wenn wir einen schwarzen Gorilla in einem Video übersehen. Wir bilden uns ein, zu sehen, was sich vor unserer Nase abspielt. Aber, so die Forscher, das alles ist nur eine Illusion. Die Illusion der Aufmerksamkeit.

Einbildung ist auch eine Bildung

Jetzt haben die beiden ein Buch geschrieben – über sechs allzu menschliche Illusionen, alles im Griff zu haben. Neben der Illusion der Aufmerksamkeit zeigen sie die Illusion des Gedächtnisses (wir bilden uns ein, genau zu erinnern, statt dessen erfinden wir aber), die Illusion des Selbstvertrauens (wir fallen auf Leute rein, die vor Selbstvertrauen nur so strotzen), die Illusion des Wissens (die Zeitungen sind täglich voll mit Belegen für diese Illusion), die Illusion der Ursache (wir setzen gerne Dinge in Zusammenhang, die nichts miteinander zu tun haben) und die Illusion der Möglichkeiten (Kinder mit Mozart beschallen, damit sie schlauer werden). Um ihre Thesen zu belegen, zitieren sie interessante Studien und illustrieren sie anhand merk- und denkwürdiger Geschichten.

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Futter für Skeptiker

„Der unsichtbare Gorilla“ wirft einige unserer Gewissheiten über den Haufen. Es zeigt, dass Zweifel angebracht sind, wenn es darum geht, zu 100% auf unser Oberstübchen zu vertrauen. Managementbuch.de – Fazit: Interessanter Lesestoff, der Skeptikern der menschlichen Vernunft reichlich Nahrung gibt.

Wolfgang Hanfstein, www.Managementbuch.de

Zum Buch:

>>Christopher Chabris, Daniel Simons: Der unsichtbare Gorilla. Wie unser Gehirn sich täuschen lässt. Piper Verlag. April 2011

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