Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders

Das Geschehen an den Kapitalmärkten ist schwer zu verstehen und das nicht nur für Laien, sondern auch für viele Professionelle. Denn auch die sind häufig so hoch spezialisiert in ihrem Segment, dass sie kaum noch das Ganze überblicken. Georg von Wallwitz, studierter Mathematiker, promovierter Philosoph und erfahrener Investmentmanager legt nun eine „fröhliche Einführung in die Finanzmärkte“ (Nietzsche lässt grüßen) vor mit dem erklärten Ziel, sie allgemein verständlich zu erklären. „Odysseus und die Wiesel“ ist nicht noch ein Börsenbuch zwischen Euphorie („Erfolgreich investieren mit XY“) und Panik („So retten Sie ihr Geld …“), sondern ein mit philosophischer Distanz geschriebener, angenehm langsamer, nachdenklicher Essay fern vom lärmenden Tagesgeschäft.

Odysseus und die Sirenen

Was aber hat Odysseus, der Superman der griechischen Mythologie und was hat das kleinste Raubtier in unseren Breiten, das Wiesel mit dem Thema des Buches zu tun? Wallwitz stellt Odysseus als wenig heldenhaften Helden mit zweifelhaften Charakterzügen vor. Als einen, der das Überleben dem glorreichen Heldentod vorzieht. Und der nicht nur seine Gegner mit kreativen Erfindungen, wie dem Trojanischen Pferd täuscht, sondern sich auch erfolgreich selbst überlistet (um den betörenden Gesang der Sirenen zu hören, ohne ihm zu erliegen, verschließt er seinen Gefährten die Ohren mit Wachs und lässt sich selbst an den Mast seines Schiffes fesseln).

Zu klein zum Beutemachen

Odysseus‘ sprichwörtliche Klugheit gepaart mit einer sicheren Intuition, zu der die vielfältigen Erfahrungen des Weitgereisten geronnen sind, prädestinieren den antiken Antihelden geradezu zum erfolgreichen Wertpapierinvestor. Und die Wiesel? Sie werden bei Wallwitz zum Prototyp der gewöhnlichen Marktteilnehmer, des Heers der Fondsmanager, Makler, Analysten und Händler, die die Börsensäle der Welt bevölkern. Sie sind allesamt von der Natur zu dürftig für ihre Aufgaben ausgestattet. Sie verstehen nicht die Zusammenhänge von Unternehmen und Märkten und sind deshalb immerzu überfordert. So sind sie zwar als „Raubtier in die Welt gekommen, für ernsthaftes Beutemachen aber viel zu klein.“ Am Ende allerdings der Nahrungsketten des Biotops, das Wallwitz genüsslich seziert, steht der Privatanleger, der egal wer gewinnt oder verliert, immer zur Kasse gebeten wird.

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Dieses Buch wird in den höchsten Tönen gelobt von Mihaly Csikszentmihalyi, Martin Seligmann, Daniel Goleman - und jetzt auch von mir ;-)

Die Börse als Umverteilungsmaschine

Was nun aber tun? Wallwitz belässt es bei fröhlicher Gelassenheit. Der Erfolg an den Börsen ist flüchtig, Vermögen sind so schnell zerronnen wie gewonnen. Es wird immer wieder „krachende Pleiten“ geben, irrationalen Überschwang wie ebenso irrationale Panik. Vielleicht wenig tröstend, aber umso wahrer: „Die Börse ist nicht nur eine großartige Spielwiese, sondern auch eine wahrhaft demokratische Institution, indem sie für ständige Umverteilung sorgt.“

Dr. Birgit Bosold, www.Roter-Reiter.de

 

Georg von Wallwitz „Odysseus und die Wiesel“. Berenberg Verlag. 2011

Mehr Informationen zu >> „Odysseus und die Wiesel“ auf Managementbuch.de

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